Montag, 22. Januar 2018

Deutschjüdische Glückskinder von Michael Wolffsohn - Rezension



Der Autor erzählt „eine Weltgeschichte“ seiner Familie, wobei sich der Teil dieser Weltgeschichte, der in dem Buch erzählt wird, hauptsächlich in Deutschland und Israel abspielt, denn dort leben oder lebten die meisten Mitglieder der erweiterten Familie Wolffsohn. Dies macht es jedoch nicht weniger interessant.

In seiner kurzweiligen Art erzählt Michael Wolffsohn weit mehr als nur die nüchterne Geschichte in Zahlen und Fakten. Er stellt die Personen, über die er schreibt, so vor, dass sie dem Leser am Ende wie gute Bekannte vorkommen. Das Buch besteht eher aus vielen Geschichten als einer zusammenhängenden Geschichte und diese Geschichten werden auch nicht chronologisch, sondern nach Themen geordnet erzählt. Sie handeln von den Familien Wolffsohn und Saalheimer in Deutschland, ihrer Flucht fast in letzter Minute nach Britisch-Palästina (später Israel), ihrem Leben dort und der Rückkehr eines Teils der Familie nach Deutschland, wo der Großvater Karl Wolffsohn versuchte, seinen „arisierten“ Besitz zurückzubekommen. Aber nicht nur mit Nicht-Juden legten sich die Wolffsohns an, auch mit anderen Juden, vor allem dem jüdischen Establishment. Ab einem bestimmten Zeitpunkt immer vorneweg: der Autor selbst. Dabei setzt er sich durchaus selbstkritisch mit seinen früheren „Kämpfen“ auseinander. 

Nachdem man sich eingelesen hat – ich fand die fehlende Chronologie am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig – ist das Buch flüssig zu lesen und sehr unterhaltsam. Es eignet sich hervorragend als Lektüre zum Nachmittagstee (oder –kaffee). Ob es sich auch als Bettlektüre eignet, kann ich nicht sagen. Ich selbst habe zu viel zum Nachdenken darin gefunden, um es mir kurz vor dem Schlafengehen noch zuzumuten.

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