Mathe war für mich immer ein Schulfach des Grauens. Eigentlich fing es schon in der Grundschule mit Rechnen an – Zahlen waren und sind für mich „tote Materie“ (Gott sei Dank für Taschenrechner!) und es fiel mir so ebenso schwer, das kleine Einmaleins zu lernen wie ein Gedicht auf Chinesisch, einer Sprache, die ich nicht verstehe. Nur, dass Letzteres niemand von mir verlangt hat.
Entsprechend schwierig war auch später das Rechnen mit Formeln für mich. Ich konnte sie zwar mit Mühe auswendig lernen, aber verstanden habe ich sie nie. Und ob sie uns jemals von den Lehrern erklärt wurden, weiß ich nicht mehr – vielleicht, ich will niemandem Unrecht tun. Wenn, dann vermutlich so, dass ich als „visueller Lerner“ es nicht verstehen konnte. Vor Klassenarbeiten habe ich mir die Formeln oft irgendwo versteckt hingeschrieben, um sie nicht zu vergessen, zumal ich sowieso regelmäßig ein Blackout hatte, wenn es an Prüfungen jeder Art ging. Wie ich durch die Schule gekommen bin und mein Abi geschafft habe, weiß ich nicht – irgendwie hat es funktioniert.
Als ich von dem eBook Magica Mathematica von Franziska Wolf hörte, war ich entsprechend neugierig, aber auch skeptisch. In eine Geschichte eingebunden, sollte Matheschwächlingen wie mir erklärt werden, was es mit geometrischen Formeln auf sich hat – und das auch noch so, dass wir es verstehen. Nun war ich in Geometrie zwar nicht ganz so schlecht wie in anderen mathematischen Disziplinen, aber das lag keineswegs an der Verständlichkeit der Formeln, sondern daran, dass man alles schön nachmessen und damit etwas tricksen konnte. Also war ich gespannt, ob ich anhand der Erklärungen in dem Buch irgendetwas verstehen würde. Und ich war überzeugt, dass es anstrengend sein würde, das Buch – zumindest den „Erklärteil“ – zu lesen, denn mit weniger als drei Wiederholungen wäre es sicher nicht getan, bis die Erklärungen mich erreichen würden.
Umso überraschter war ich, dass es mir gelang, durch einmaliges entspanntes Lesen bei Tee und Kuchen das Wesen der Formeln zu begreifen. Ich hätte noch tiefer einsteigen und die von der Autorin beschriebenen Papierfaltübungen machen können, aber auch ohne das weiß ich jetzt, wieso zum Beispiel die Formel für die Berechnung der Fläche eines Dreiecks oder eines Vierecks gerade so und nicht anders lautet. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass mir jemals vorher jemand (in der Schule schon gar nicht) erklärt hat, woher die Zahl π stammt und wieso man gerade sie nimmt, um den Umfang eines Kreises zu berechnen.
Mein Fazit: ein sehr gelungenes Buch für Leseratten mit Matheschwäche.

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