Samstag, 24. November 2012

Ein Lesebuch für Mathemuffel?

Mathe war für mich immer ein Schulfach des Grauens. Eigentlich fing es schon in der Grundschule mit Rechnen an – Zahlen waren und sind für mich „tote Materie“ (Gott sei Dank für Taschenrechner!) und es fiel mir so ebenso schwer, das kleine Einmaleins zu lernen wie ein Gedicht auf Chinesisch, einer Sprache, die ich nicht verstehe. Nur, dass Letzteres niemand von mir verlangt hat.

Entsprechend schwierig war auch später das Rechnen mit Formeln für mich. Ich konnte sie zwar mit Mühe auswendig lernen, aber verstanden habe ich sie nie. Und ob sie uns jemals von den Lehrern erklärt wurden, weiß ich nicht mehr – vielleicht, ich will niemandem Unrecht tun. Wenn, dann vermutlich so, dass ich als „visueller Lerner“ es nicht verstehen konnte. Vor Klassenarbeiten habe ich mir die Formeln oft irgendwo versteckt hingeschrieben, um sie nicht zu vergessen, zumal ich sowieso regelmäßig ein Blackout hatte, wenn es an Prüfungen jeder Art ging. Wie ich durch die Schule gekommen bin und mein Abi geschafft habe, weiß ich nicht – irgendwie hat es funktioniert.


Als ich von dem eBook Magica Mathematica von Franziska Wolf hörte, war ich entsprechend neugierig, aber auch skeptisch. In eine Geschichte eingebunden, sollte Matheschwächlingen wie mir erklärt werden, was es mit geometrischen Formeln auf sich hat – und das auch noch so, dass wir es verstehen. Nun war ich in Geometrie zwar nicht ganz so schlecht wie in anderen mathematischen Disziplinen, aber das lag keineswegs an der Verständlichkeit der Formeln, sondern daran, dass man alles schön nachmessen und damit etwas tricksen konnte. Also war ich gespannt, ob ich anhand der Erklärungen in dem Buch irgendetwas verstehen würde. Und ich war überzeugt, dass es anstrengend sein würde, das Buch – zumindest den „Erklärteil“ – zu lesen, denn mit weniger als drei Wiederholungen wäre es sicher nicht getan, bis die Erklärungen mich erreichen würden.

Umso überraschter war ich, dass es mir gelang, durch einmaliges entspanntes Lesen bei Tee und Kuchen das Wesen der Formeln zu begreifen. Ich hätte noch tiefer einsteigen und die von der Autorin beschriebenen Papierfaltübungen machen können, aber auch ohne das weiß ich jetzt, wieso zum Beispiel die Formel für die Berechnung der Fläche eines Dreiecks oder eines Vierecks gerade so und nicht anders lautet. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass mir jemals vorher jemand (in der Schule schon gar nicht) erklärt hat, woher die Zahl π stammt und wieso man gerade sie nimmt, um den Umfang eines Kreises zu berechnen.

Mein Fazit: ein sehr gelungenes Buch für Leseratten mit Matheschwäche.

Montag, 12. November 2012

"Abtauchen in fremde Welten" - Interview mit der Autorin Brigitte Tholen


Informationen über die Autorin ...

Brigitte Tholen ist geborene Westfälin, lebt mittlerweile in Ostfriesland, ihrer Wahlheimat. Bereits in der Schule las sie alles, was ihr in die Finger kam. Sie liebte die Sprache, spielte mit Worten und schrieb kleine Geschichten.

In Düsseldorf arbeitete sie als Sekretärin, zog für 3 Jahre nach Marbella, kehrte zurück nach Düsseldorf. Als sie die Chance bekam im Irak auf einer englischsprachigen Baustelle zu arbeiten, überlegte sie nicht lange. 3 ½ Jahre blieb sie dort, bevor sie nach Ostfriesland kam und hier ihren späteren Mann heiratete. Mit ihm befuhr sie Deutschlands Wasserstraßen mit dem eigenen Binnenschiff, auf dem sie ernsthafter zu schreiben begann.

... und ihre Bücher

Sie veröffentlichte 2 Kriminalromane und einen Fantasy-Roman beim Gipfelbuch-Verlag, sowie mehrere Kurzgeschichten in Anthologien, zuletzt als Herausgeberin und Autorin. Ihre Kurzgeschichten wurden in Zeitungen und Zeitschriften-Verlagen veröffentlicht. 2011 gab sie ihre ersten E-Books heraus.

Im Oktober 2011 das 1. Buch „Schuld“ mit mehreren Kurzgeschichten. Es folgte „Schatten“, „Verborgen“, ebenfalls Kurzgeschichten. Der Verlag „Droemer & Knaur, übernahm den Vertrieb ihrer E-Books „Der Reeder“ (Kriminalroman) und „Verrat“ (Kriminalgeschichten).

Vor einigen Monaten erschien dann ihr neuester Kriminalroman „Flügelschlag der Angst“, der von ihr zunächst als E-Book und vor einigen Wochen auch als Printbuch beim Mysteria-Verlag veröffentlicht wurde.

Seit wann schreibst du Geschichten / Bücher und wie bist du dazu gekommen?

Wie viele Autorinnen, habe auch ich schon früh mit dem Schreiben begonnen. Zunächst nur für mich, für Freunde und Bekannte. Ich liebe das Abtauchen in fremde Welten, liebe rätselhafte und geheimnisvolle Geschichten. In meiner Freizeit las und lese ich überwiegend Kriminalromane. Als ich zur Ruhe kam, begann ich mich mehr mit dem Handwerk Schreiben zu beschäftigen. Ich besuchte Seminare, lernte das Kreative Schreiben und tauschte mich mit Gleichgesinnten in Schreibgruppen aus, um konstruktive Kritiken zu bekommen.

Wie lange schreibst du etwa pro Tag an deinen Geschichten / Büchern?

Drei oder vier Stunden am Tag, damit meine ich aber auch das Ausarbeiten des Plots, die Recherche, die Überarbeitung. Es hat sich so ergeben, dass ich gegen 20 Uhr beginne und dann bis Mitternacht schreibe. Allerdings gibt es da auch Pausen. Zwischendurch, wenn es überhaupt nicht laufen will, twittere ich oder werbe bei Facebook für meine Bücher. Leider gibt es manchmal auch Schreibblockaden, das sind Zeiten, an denen ich glaube, dass alles was ich schreibe nur für den Papierkorb taugt. Dann habe ich das Gefühl, nie wieder eine Geschichte oder einen Roman beginnen oder weiter schreiben zu können.

Wie beginnst du deine Geschichten? Hast du die Geschichte von Anfang bis Ende im Kopf, machst du dir vorher eine Struktur oder schreibst du einfach drauf los und schaust dann, wie es endet? Bist du manchmal selbst überrascht über den Fortgang der Handlung oder das Ende, oder weißt du alles schon vorher?

Der ungefähre Plot muss in meinem Kopf fertig sein, bevor ich ihn dann ins Reine auf meinem Computer schreibe. Bei einem Roman erstelle ich auch ein Step-Outline, damit ich weiß, was in jedem einzelnen Kapitel passieren soll. Allerdings ändert sich beim Schreiben noch einiges, weil die Figuren sich verselbständigen, einen anderen Weg einschlagen als geplant. Es ist eine spannende Sache, neue Möglichkeiten und Ideen entstehen dadurch. Allerdings das Ende bleibt wie geplant.

Schreibst du vor allem über das, was dir Spaß macht, oder hast du beim Schreiben bzw. beim Überarbeiten deiner Geschichten immer auch im Auge, dass du möglichst viele Leser erreichen möchtest? Machst du aus „Vermarktungsgründen“ Abstriche an deine eigenen Vorlieben?

Ich schreibe überwiegend Kriminalgeschichten, vielleicht weil ich sie selber gerne lese. Ich liebe Ostfriesland und meine Geschichten und Romane spielen fast alle auch in diesem Landstrich. Wenn ich die Vermarktung dabei im Auge hätte, würde ich wahrscheinlich auf den jeweiligen Trendzug springen und Vampir- oder Gothic-Romane schreiben.

Was ist dein neuestes Projekt, das gerade fertig geworden ist oder kurz vor dem Abschluss steht?

Zurzeit schreibe ich an einem neuen Kriminalroman. Auch hier ist der Schauplatz wieder „Dannerfehn“ in Ostfriesland. Diesmal werden Hauptkommissar Kröger und Uta aus dem Roman „Flügelschlag der Angst“ einen weiteren Mörder fassen müssen. Allerdings wird der Roman wahrscheinlich erst Anfang des nächsten Jahres fertig sein. Ein Cover ist noch nicht vorhanden.

Hier findet man weitere Informationen über Brigitte Tholens Bücher:

http://www.kimberry.eu

Dienstag, 23. Oktober 2012

"Mich faszinieren Menschen" - Interview mit der Autorin Elsa Rieger


Informationen über die Autorin ... 

Elsa Rieger, Wien, Jahrgang 1950, arbeite im Hauptberuf als Atemtrainerin. Nach Schauspielausbildung und Buchhandelslehre war ich in der Inspizienz und Abendregie des Theater der Courage beschäftigt.

... und ihre Bücher

Mich faszinieren Menschen. Wie sie lieben, leiden, wie sie Konflikte lösen oder darin untergehen. Oft spielt die Psychologie eine Rolle in meinem Romanen und Geschichten. Ich habe Romane, zahlreiche Kurzgeschichten, Gedichte, zum Teil veröffentlicht als e-books und Taschenbuch.

Seit wann schreibst du Geschichten / Bücher und wie bist du dazu gekommen?

Ich begann mit Lyrik und Kurzprosa 1989. Dazu gekommen bin ich durch eine Lebenskrise, da platzte der Knoten und ich stellte fest, dass Schreiben eine tolle Wirkung auf meine Entwicklung hatte.

Wie lange schreibst du etwa pro Tag an deinen Geschichten / Büchern?

Ich schreibe ungefähr 4 Stunden täglich.

Wie beginnst du deine Geschichten? Hast du die Geschichte von Anfang bis Ende im Kopf, machst du dir vorher eine Struktur oder schreibst du einfach drauf los und schaust dann, wie es endet? Bist du manchmal selbst überrascht über den Fortgang der Handlung oder das Ende, oder weißt du alles schon vorher?

Bei Geschichten lasse ich mich gern von den Mitwirkenden an der Hand nehmen. Bei Romanen mache ich mir eine genaue Plotline, um mich nicht zu verzetteln. Dass sich dann in Kleinigkeiten etwas ändern kann, weil die Protagonisten sich unvorhergesehen entwickeln, ist ok, aber der Hauptstrang sollte so bleiben, wie ich mir das ausgedacht habe. Klappt auch.

Schreibst du vor allem über das, was dir Spaß macht, oder hast du beim Schreiben bzw. beim Überarbeiten deiner Geschichten immer auch im Auge, dass du möglichst viele Leser erreichen möchtest? Machst du aus „Vermarktungsgründen“ Abstriche an deine eigenen Vorlieben?

Ich schreibe ausschließlich über Themen, die mich selbst faszinieren. Ich wäre sicher viel erfolgreicher, würde ich Mainstream schreiben, also über Vampire, Dämonen, Serienkiller und dergleichen. Das ist aber nicht mein Wunsch, ich bin auch nicht in der Lage dazu, nach Publikumsgeschmack zu schreiben, um besser vermarktet werden zu können.

Was ist dein neuestes Projekt, das gerade fertig geworden ist oder kurz vor dem Abschluss steht? 

Eben habe ich meinen neuen Roman vollendet: Helene sucht eine große Zehe und findet die Wirklichkeit.

Hier findet man weitere Informationen über Elsa Riegers Bücher:

http://www.elsarieger.at/

Samstag, 6. Oktober 2012

„Vielleicht nicht massentauglich“ – Interview mit der Autorin Simone Ehrhardt


Informationen über die Autorin …

Mein Name ist Simone Ehrhardt, ich bin 45 Jahre alt und komme aus Mannheim. Im Moment lebe ich mit meinem Mann in einem kleinen Ort im Rhein-Pfalz-Kreis. Ich habe eine kaufmännische Ausbildung gemacht, in meinem Beruf gearbeitet und später ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert, danach wieder gearbeitet. Inzwischen bin ich freiberufliche Autorin.

… und ihre Bücher

In den letzten Jahren schrieb ich hauptsächlich Krimis, aber auch einige Liebesromane und Kurzgeschichtensammlungen, z.B. mit Weihnachtsgeschichten. Es sind schon ziemlich viele Veröffentlichungen in verschiedenen Verlagen zusammengekommen. Regelmäßig veröffentliche ich bei SCM R. Brockhaus bzw. SCM Collection (die gehören zusammen). Eine kommende Publikation im nächsten März ist ein Thriller mit dem Titel „Die Angst im Spiegel“ beim bookshouse Verlag. Ich veröffentliche aber auch gelegentlich selbst bei BoD, so wie mein demnächst erscheinender Krimi „Mörderisch glänzet der Wald“. Unter dem Pseudonym Sara Winter möchte ich mich zukünftig mehr dem Liebesroman widmen.

Seit wann schreibst du Geschichten / Bücher und wie bist du dazu gekommen?

Mit eigenen Texten fing ich schon als Teenie an. Die früheste Geschichte, die ich aufgehoben habe, drehte sich um Pferde. Worum auch sonst? Ich verschlang ja ein Pferdebuch nach dem anderen. Später begeisterte ich mich für Krimis und beschloss, selbst eine christliche Krimireihe anzufangen. 2006 erschien der erste Band davon, „Tote Pfarrer reden nicht“.

Wie lange schreibst du etwa pro Tag an deinen Geschichten / Büchern?

Leider kann ich nicht sagen, dass ich konsequent jeden Tag schreibe. Das hängt sehr davon ab, ob es einen Abgabetermin gibt oder etwa eine Idee, die mich so begeistert, dass ich sie unbedingt umsetzen will. Wenn ich schreibe, dann etwa vier Stunden am Stück, danach brauche ich eine längere Pause. Es ist ziemlich unmöglich für mich, zu schreiben, wenn ich an einem Tag andere Termine oder Verpflichtungen habe. Ich darf mir für die Schreibtage nichts anderes vornehmen, damit das klappt. Andere Unternehmungen lenken mich zu sehr ab, erschöpfen mich vielleicht, sodass mir kreatives Arbeiten im Anschluss sehr schwer fällt, und meistens habe ich auch das Gefühl, dass es sich nicht lohnt, mit dem Schreiben anzufangen, wenn ich nicht ein paar Stunden dran bleiben kann. Das ist natürlich nicht richtig. Ich könnte auch produktiv sein, wenn ich nur eine oder zwei Stunden habe. Ich habe aber auch schon von anderen gehört, dass es ihnen so geht.

Wie beginnst du deine Geschichten? Hast du sie von Anfang bis Ende im Kopf, machst du dir vorher eine Struktur oder schreibst du einfach drauf los und schaust dann, wie es endet? Bist du manchmal selbst überrascht über den Fortgang der Handlung oder das Ende, oder weißt du alles schon vorher?

Gewöhnlich habe ich zuerst den Anfang im Kopf. Ich weiß nicht, wieso, aber erste Sätze und Absätze fliegen mir einfach so zu. Vom Ende habe ich eine vage Vorstellung, wenn ich einen Roman beginne, auch von der Handlung, obwohl ich oft einfach anfange zu schreiben und dann später einen Plan entwickle, wo es genau hingehen soll, mit allen Zwischenstationen. Viele Schriftsteller machen sich riesige Pläne zuhause mit Karteikarten zu allem Möglichen oder entwickeln den kompletten Plot noch bevor sie den ersten Satz schreiben – so etwas habe ich bisher nicht getan. Ich lasse mich beim Schreiben gern auch selbst überraschen. Und ja, so bleibt den Figuren mehr Raum, sich zu entwickeln, wohin sie wollen. Gelegentlich merke ich, dass eine eingeschlagene Richtung nicht funktioniert, dann muss ich sie ändern. Das ist dann so, als würden die Charaktere tun, was sie wollen, aber eigentlich ist es nur das Gespür für ihre wachsende Persönlichkeit und was dazu passt und was nicht. Mitunter kann sich das Schreiben ohne einen allzu festen Fahrplan aber auch zäh gestalten, dann muss man den Figuren jedes Wort und jede Handlung abringen. Ich glaube, der Leser merkt davon bei der Lektüre nichts mehr. Das ist ein rein subjektiver Eindruck des Autors.

Schreibst du vor allem über das, was dir Spaß macht, oder hast du beim Schreiben bzw. beim Überarbeiten deiner Geschichten immer auch im Auge, dass du möglichst viele Leser erreichen möchtest? Machst du aus „Vermarktungsgründen“ Abstriche an deine eigenen Vorlieben?

Bisher habe ich immer Spaß an dem gehabt, was ich schrieb, auch wenn es sich um Auftragsarbeiten handelte. Ich könnte mir auf Anhieb auch nichts vorstellen, was mir überhaupt keinen Spaß machen würde, weil ich so viel Verschiedenes schreibe. Ich möchte natürlich gern viele Leser erreichen, am liebsten mit dem, was mir auch gefällt. Man sagt ja immer, man soll das schreiben, was man selbst gern lesen würde. Aber vielleicht ist mein Geschmack auch nicht massentauglich. Ich glaube, ich mache keine Abstriche an meine Vorlieben oder Überzeugungen. Es gibt Bücher, die sind Garanten für einen Massenerfolg – wenn es um viel Sex geht, am besten verschiedene Praktiken an sich selbst ausprobiert, Krimis mit Gewalt an Kindern oder besonders eindrücklich geschilderten Gewaltszenen und solche Bücher. Es gibt sicher noch mehr Beispiele. Ich denke zwar oft, das ist eine billige Masche, um schnell Erfolg zu haben und das könnte ich auch, aber ich mache es trotzdem nicht. Solche Darstellungen widerstreben mir, das möchte ich nicht schreiben.

Was ist dein neuestes Projekt, das gerade fertig geworden ist oder kurz vor dem Abschluss steht?

Im Moment arbeite ich an „Mörderisch glänzet der Wald“, einem Weihnachtskrimi. Das Cover gibt es leider noch nicht, es ist noch in Arbeit, aber der Krimi soll im November erscheinen, also schon sehr bald und noch pünktlich zur Weihnachtszeit. Zuletzt erschienen ist „Neue Schwester, neues Glück“ unter meinem Pseudonym Sara Winter. Es ist ein Liebesroman und er ist seit einem Monat auf dem Markt.

Hier findet man weitere Informationen über Simone Ehrhardts Bücher:  
http://www.simone-ehrhardt.de

Sonntag, 26. August 2012

Montag, 6. August 2012

Diese Lebensretter ...

... werden bei uns im Dorf (oder vielmehr am Rand des Dorfes) ausgebildet:

Montag, 30. Juli 2012

Nur so am Rande

Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen. – Aus der Dienstanweisung an die DDR-Grenztruppen (gefunden im Chronik-Kalender)

Aber natürlich hat es nie einen Schießbefehl gegeben, das weiß jeder!

Montag, 23. Juli 2012

Schickst du jemandem eine Karte, schickt dir jemand eine Karte


Vor kurzem habe ich mal wieder etwas Interessantes im Internet entdeckt. Es nennt sich Postcrossing und macht sehr viel Spaß – nicht zuletzt, weil es erstens nicht nur im Internet stattfindet, sondern im „richtigen Leben“ und zweitens, weil es egal ist, wo man wohnt. Einen Briefkasten gibt es in Deutschland zumindest (noch) in jedem Kaff. Wir haben in unserem sogar mehrere :)

Prostcrossing geht so: man registriert sich (ist gratis), legt ein kleines Profil an und klickt dann auf „Send Postcard“ (ach ja, die Website ist auf Englisch, weil es eben eine weltweite Sache ist). Daraufhin bekommt man direkt auf der Website und per E-Mail die Profilinformationen eines anderen Teilnehmers irgendwo auf der Welt samt Adresse, sowie – ganz wichtig – eine ID-Nummer für die Postkarte.

Die meisten Leute geben an, was für Postkarten sie gerne hätten. Wenn man zufällig so eine hat, kann man die Wünsche erfüllen, ansonsten tut es auch eine andere Karte. Man sucht also eine aus und schreibt am besten als erstes groß und deutlich die Postkarten-ID darauf, denn ohne die kann der Empfänger nicht auf der Website eintragen, wenn sie angekommen ist. Dann schreibt man irgendwelche netten Sachen, die Adresse, Briefmarke drauf – für internationalen Versand auch eine Luftpostmarke – und ab geht die Post. Außer innerhalb Deutschlands (45ct) kostet eine Postkarte in alle Welt 75ct.

Am Anfang kann man bis zu fünf Postkarten gleichzeitig auf dem Weg haben. Meist muss man jedoch Geduld haben, bis sie ankommen. Ich habe am Anfang kurz hintereinander fünf Karten abgeschickt. Bis jetzt ist eine angekommen, die ich in die Niederlande geschickt hatte. Damit konnte ich eine weitere Karte abschicken und jemand hat meine Adresse bekommen, um mir eine Karte zu schicken. Diese Karte habe ich heute bereits bekommen (aus Finnland), während die erste Karte, die ich abgeschickt habe – nach Russland – noch immer nicht angekommen ist. Darauf muss ich aber wohl auch noch eine Weile warten.

Die meisten Länder der Welt sind bei Postcrossing mit Teilnehmern vertreten, wobei manche überrepräsentiert sind, während es in anderen kaum Teilnehmer gibt – manchmal aus naheliegenden Gründen. Aber ich hoffe, dass ich trotzdem irgendwann einmal Karten auch aus diesen Ländern bekomme :)

Mittwoch, 20. Juni 2012

Eva schläft von Francesca Melandri - Rezension


In dem Roman geht es um die Lebensgeschichte von Gerda Huber und ihrer Tochter Eva. Die Geschichte der beiden Frauen und ihrer Familie bildet den Rahmen für ein wesentlich interessanteres und spannenderes Thema: die Geschichte Südtirols und seiner Bewohner.

Die Autorin springt mit jedem neuen Kapitel von der Vergangenheit in die Gegenwart und wieder zurück. Die Kapitel der Gegenwart beschreiben in der ersten Person Evas Bahnreise in den Süden Italiens, wo sie einen Mann treffen möchte, der einmal der Liebhaber ihrer Mutter war und den sie als ihren Ziehvater betrachtete, bis er aus „Staats- und Familienräson“ die beiden verließ. Dabei erinnert sie sich an Ereignisse aus ihrer Kindheit. Die Kapitel der Vergangenheit sind dagegen in der dritten Person verfasst und beginnen im Jahr 1919, als Südtirol von den Siegermächten des ersten Weltkriegs an Italien gegeben wurde und die Unterdrückung der deutschsprachigen Minderheit und die Zwangsitalianisierung begann. Schonungslos und keineswegs einseitig beschreibt die Autorin, die selbst Italienerin ist, aber in Südtirol aufwuchs, anhand der Geschichte der Familie Huber und anderer Personen, wie man versuchte, mit diesen Zwangsmaßnahmen umzugehen – oder ihnen zu entgehen.

Das Buch ist sehr flüssig geschrieben und spannend zu lesen, wobei ich persönlich die Gegenwartskapitel, die jedoch im Verlauf des Buches glücklicherweise immer kürzer werden, fast als überflüssig empfand. Sie wirkten auf mich wie unwillkommene Werbeunterbrechungen während eines spannenden Films – auch wenn sie streckenweise ganz kurzweilig sind, wartet man doch nur darauf, dass es mit dem eigentlichen Film weitergeht. Dabei haben die Beschreibungen der Mitreisenden und der Landschaft durchaus ihren Unterhaltungswert. Das Thema der erfolgreichen Geschäftsfrau mit ihrem verkorksten Liebesleben inklusive unvermeidlichem verheiratetem Dauerliebhaber und in heutigen Geschichten fast ebenso unvermeidlichem homosexuellem „besten Freund“ (in diesem Fall ist es ein Cousin) ist jedoch zu ausgelutscht, als dass es noch interessant wäre.

Dagegen läuft die Autorin in den Kapiteln über die Vergangenheit zur Höchstform auf. Die Geschichte der jungen Gerda und ihrer Familie wird immer wieder unmittelbar von der Geschichte Südtirols beeinflusst. Gerdas Vater, ein Waisenjunge, der bedingt durch die italienischen Misshandlungen erst zu einem Kollaborateur der italienischen Faschisten, dann zu einem Anhänger der deutschen Nazis und in der Folge zum Außenseiter wird und später kaum Verantwortung für seine Familie übernimmt, prägt schließlich auch das Leben seiner Tochter – spätestens als er sie, noch minderjährig, fortschickt, um in einem Hotel zu arbeiten. Die jungen weiblichen Hilfskräfte in der Gastronomie wurden nicht ohne Grund als „Matratzen“ bezeichnet und letztlich endet auch Gerda mit einem Kind, dessen Vater, der Sohn eines ehemals armen Bauern, der zum Hotelbesitzer und Skiliftbetreiber aufgestiegen ist, von seinem Vater daran gehindert wird, sie zu heiraten. Von ihrem eigenen Vater wird sie endgültig vor die Tür gesetzt. Gleichzeitig betätigt sich einer ihrer Brüder als Terrorist, der versucht, die Italiener mit Gewalt aus Südtirol zu vertreiben. Ihr italienischer Liebhaber, der Polizist Vito, darf sie schließlich genau aus diesem Grund nicht heiraten.

Diese Kapitel des Romans, die den Hauptteil ausmachen, sind fesselnd geschrieben und man ist nach jedem Kapitel gespannt, wie es weitergeht. Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Buch, das durch eine klare Sprache besticht und es daher dem Leser erspart, sich mit einem „nobelpreisverdächtigen“ Stil herumzuschlagen, was das Lesen sehr angenehm macht.

Montag, 4. Juni 2012

Wofür wir kämpfen von Tino und Antje Käßner - Rezension


Antje und Tino Käßner waren beide als Bundewehrsoldaten im Auslandseinsatz – sie in Bosnien, er in Afghanistan, wo er bei einem Selbstmordanschlag sein rechtes Bein verlor. Soweit die nüchterne Zusammenfassung der Geschichte.

Sie wird allerdings keineswegs nüchtern erzählt. Nicht nur das Autoren-Ehepaar, sondern auch Verwandte und Freunde erzählen ihre Geschichte um diese Ereignisse und berichten dabei offen über ihre Gefühle und Gedanken. Zu den Erzählern gehören auch ein Kamerad von Tino Käßner, der bei demselben Anschlag beide Beine verlor, und seine Frau.

Dem Leser wird ein tiefer Einblick gewährt in das, was die jeweils erzählenden Personen erlebt haben. Der Stil des Buches erschien mir am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber letztlich kommt es hier nur auf den Inhalt an – und der hat es in sich. Thematisiert wird auch immer wieder der Umgang der deutschen Gesellschaft mit den Soldaten, die im Auslandseinsatz sind oder waren und die nach ihrer Rückkehr kaum Anerkennung, manchmal sogar Verachtung erfahren, was nicht zuletzt an der häufig einseitigen Berichterstattung der Medien liegt.

Ein sehr empfehlenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt – in mehrfacher Hinsicht!

Freitag, 25. Mai 2012

Unsere London-Reise...


… habe ich während der vergangenen Wochen in meinem englischsprachigen Blog „verarbeitet“ – mit relativ wenig Text und vielen Fotos, also vielleicht auch interessant für diejenigen, die nicht so gut Englisch können :) Gestern bin ich nun beim letzten Tag angekommen und eigentlich müsste ich jetzt wieder hin. Geht aber nicht *seufz*

Donnerstag, 10. Mai 2012

Vorher - Nachher

Vor etwa einem Jahr haben wir über Diaconia die Patenschaft für Astghik in Armenien übernommen. Hier das Foto von ihrem Profil, das wir bekommen haben, als wir die Patenschaft übernahmen…


…und hier das vom Folgebericht, den wir jetzt, nach einem Jahr erhalten haben:


Ich denke, ein vergleichender Blick auf diese Bilder reicht schon, um zu sehen, dass es sich lohnt, einem bedürftigen Kind durch eine Patenschaft zu helfen!

Mittwoch, 18. April 2012

Eine Ferienwohnung in London

So fein haben wir gewohnt – im ersten Stock eines viktorianischen Reihenhauses :)

Wohn- und Esszimmer, Küche:



Schlafzimmer:



Bad:

Aussicht:


Die ovale Scheibe im Hintergrund gehört zum Emirates (Arsenal) Stadion; bei dem Fußballspiel, das dort am Wochenende stattfand, konnten wir die Fangesänge hören.
In der Wohnung gibt es übrigens auch ein kostenloses Wifi-Netz, so dass wir kaum teure Daten-Roaming-Gebühren bezahlen mussten und doch regelmäßig unsere E-Mails abrufen oder Infos aus dem Internet holen konnten. Wer sie buchen möchte, kann das über Holidaylettings tun, sie ist auf jeden Fall zu empfehlen!

Mittwoch, 7. März 2012

Gestern Abend vor 25 Jahren



Hier in Deutschland erinnern sich vielleicht nicht mehr viele daran, dass am Abend des 6. März 1987 die Fähre „Herald Of Free Enterprise“ vor dem Hafen von Zeebrügge innerhalb kürzester Zeit auf die Seite kippte und 193 Menschen in den Tod riss. Das ist verständlich, denn unter den Toten waren meines Wissens keine Deutschen. Ich weiß lediglich von einer deutschen Überlebenden, deren Geschichte in unserer Zeitung stand, weil sie aus der weiteren Region stammte.

Mich hat die Sache damals ziemlich beschäftigt, denn immerhin war ich zu der Zeit schon mehrmals mit der Fähre über den Ärmelkanal gefahren – wenn auch meistens von Calais aus – und hatte gerade in dem Jahr vor, es erneut zu tun. Zuerst mit Familie und Wohnmobil für den Sommerurlaub und später im Jahr, um mein Studium am Pitman College in London zu beginnen.

Nun war es nicht so, dass ich deswegen Angst gehabt hätte, erneut eine Fähre zu besteigen – in dieser Hinsicht war meine größte Angst auch nach dem Unglück immer noch die vor der Seekrankheit ;) Aber ich konnte mir allzu lebhaft vorstellen, wie es sein musste, hilflos im kalten Wasser gefangen zu sein und Angst vor dem Ertrinken oder Erfrieren haben zu müssen. Ich überlegte, wie es die Überlebenden wohl geschafft hatten, aus dem Schiff, das ja auf der Seite lag, heraus zu kommen, und frage mich, wie viele von ihnen jemals wieder freiwillig mit so einem Schiff gefahren sind.

In Großbritannien und Belgien gab es gestern Gedenkveranstaltungen, von denen man allerdings nur lesen konnte, wenn man die Berichte darüber auf Google News suchte. In der St. Mary’s Church in Dover gibt es sogar ein Kirchenfenster zum Gedenken an die Opfer des Unglücks. 2004 habe ich es eher zufällig entdeckt bei einem Aufenthalt in Dover, während ich darauf wartete, dass die Fähre auslief, mit der ich fahren wollte.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Des Rätsels Lösung...



Nachdem ich noch einmal drei Kapitel hintereinander statt nur einer Passage meines Romans eingegeben hatte, kam schließlich heraus, dass ich wie Melinda Nadj Abonji schreibe - das kam dreimal heraus. Es passt vermutlich besser, denn 1. ist sie nicht so bekannt, 2. eine Frau und 3. etwa in meinem Alter. Allerdings hat sie schon ein paar Preise gewonnen und eine Seite bei Wikipedia - dafür muss ich mich noch etwas ins Zeug legen ;)

Ich schreibe wie...



... sagt die FAZ. Als Text habe ich einen Ausschnitt aus meinem ersten Roman "Briefe aus Kensington" eingegeben.

Allerdings frage ich mich, warum ich dann nicht so erfolgreich bin wie Peter Handke! Ist doch irgendwie ungerecht, wenn ich genauso schreiben kann!

Den Link zum Test habe ich übrigens bei Lila gefunden.

Sonntag, 15. Januar 2012

Mein 1-Euro-pro-Tag Experiment


Wir unterstützen zwar bereits acht Patenkinder in Armenien und finanzieren einem von ihnen außerdem eine Therapie, aber ich habe mich entschlossen, dennoch zusätzlich das 1-Euro-pro-Tag Experiment zu machen, über das ich in dem vorherigen Blog-Beitrag geschrieben habe. Einfach, um zu sehen, was noch geht. Jeden Tag landet ein weiterer Euro in einer alten Sparbüchse, die entweder mir oder einem meiner Brüder gehört hatte und von der ich gar nicht mehr wusste, dass sie noch existiert – bis ich sie auf einem Sideboard im Wohnzimmer meines mittleren Bruders stehen sah. Als ich ausrief „Ach, die hast du noch???“, drückte er sie mir in die Hand und nachdem ich sie auf meinen eigenen Schreibtisch gestellt hatte, war mir bald klar, wofür sie gut sein sollte.

Das Geld, das ich da hinein werfe, soll allerdings nicht dazu da sein, noch ein weiteres Kind per Patenschaft zu unterstützen, sondern vielmehr Projekte, die mir am Herzen liegen. Nein, es werden keine Vorschläge entgegen genommen, ich habe bereits mehr Projekte auf meiner (unsichtbaren) Liste, als ich jemals unterstützen könnte! Das Geld für Januar wird der Arise Conference zugute kommen.