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Freitag, 9. Dezember 2011

Das 1-Euro-pro-Tag Experiment

Es ist immer wieder beeindruckend, wie viel Geld für wohltätige Zwecke zusammenkommt, wenn Promis bei irgendeiner Fernseh-Spendengala zu Spenden aufrufen und womöglich auch noch selbst am Telefon sitzen. Auf einmal öffnen sich die Brieftaschen, die sonst das ganze Jahr über – außer vielleicht zu Weihnachten – verschlossen sind, sich dafür aber umso leichter öffnen, wenn es um Luxusgüter für den eigenen Bedarf geht.

Ganz unwillig scheinen viele Menschen zu sein, wenn es um regelmäßige Spenden geht, wie etwa für Kinderpatenschaften. Dabei sind die monatlichen Beiträge im Vergleich zum Nutzen eigentlich lächerlich. Für lediglich zwischen 25 und 35 Euro pro Monat versorgen die Patenschaftsorganisationen ein Kind mit allem Nötigen, das es braucht, um ein einigermaßen menschenwürdiges Leben zu führen. Es ist bemerkenswert, zu hören, welche gut situierten Leute eine solche Patenschaft nicht übernehmen, weil sie sich einbilden, dafür womöglich auf etwas verzichten zu müssen. In den seltensten Fällen ist dies jedoch der Fall.

Zum Beweis lade ich dich zu einem Experiment ein: stecke für einen oder zwei (oder auch mehrere) Monate jeden Tag einen Euro in eine Spardose und achte am Ende des Monats darauf, ob du tatsächlich wegen dieses einen Euro pro Tag auf irgendetwas verzichten musstest, das du DRINGEND gebraucht hättest. Falls das nicht der Fall ist, entscheide dich, was du mit dem Geld machen willst, das du ja übrig hast.



Hier eine kleine Entscheidungshilfe (ich persönlich kenne die Organisationen Diaconia und KiKo, die beide absolut seriös sind und sauber arbeiten):

Ayuda Directa (www.ayudadirecta.org - Ecuador)
Brot des Lebens (www.brot-des-lebens.org - Armenien, Bosnien, Rumänien)
Bulungi (www.bulungi.de - Uganda)
Compassion (www.compassion-de.org - verschiedene Länder)
Diaconia (www.diaconia.org – Armenien und Rumänien)
Friedensflecken (www.friedensflecken.de - Kinder christlicher Familien im Heiligen Land)
Funyula Vision (www.funyula-vision.com - Kenya)
GAiN (www.gain-germany.org – Uganda, Indien, Portugal, auch Frauenpatenschaften in Indien)
Isis Hilfsprojekte (www.isis-hilfsprojekte.de - Ägypten)
KiKo (www.kiko-ev.de – Programmpatenschaften für geistig behinderte Kinder in Kolumbien)
Kindernothilfe (www.kindernothilfe.de – verschiedene Länder)
Missionswerk Frohe Botschaft (www.mfb-info.de - Kenia, Ruanda, Uganda, auch Seniorenpatenschaften in Uganda)
ora Patenherz (www.patenherz.de - verschiedene Länder)
Plan (www.plan-deutschland.de – verschiedene Länder)
Projekthilfe Südostasien (www.projekthilfe-suedostasien.de - Burma und Vietnam)
SOS Kinderdörfer (www.sos-paten.de – verschiedene Länder)
Regenbogen-Atelier (www.waisenkinderperu.de.vu - Peru)
Vision für Afrika (www.visionforafrica-intl.org - Uganda)
World Vision (www.worldvision.de – verschiedene Länder)

Dienstag, 30. Juni 2009

Armut auf Deutsch

„Jedes achte Kind im Südwesten ist von Armut bedroht“ – diese Überschrift sprang uns heute morgen von der Titelseite des „Gränzbote“, der hiesigen Lokalzeitung, entgegen. Dabei war mit „Südwesten“ keineswegs Lateinamerika oder der Westen Afrikas gemeint. Nein, gemeint war unser schönes „Ländle“, das ja bekanntermaßen im Südwesten Deutschlands liegt. Von „extremen Formen von Armut“ sprach in dem Artikel ein Mensch von der Caritas. Oh, Hilfe! War es vielleicht doch falsch, dass wir die Patenkinder in Armenien genommen haben und sollten wir jetzt statt dessen lieber die hungernden Kinder in Deutschland unterstützen? Nicht, dass eines Tages hier dünne, zerlumpte und von Krankheit gezeichnete Gestalten über die Straßen wandeln und man wieder Schilder an den Türen sieht wie in der Nachkriegszeit: „Betteln und Hausieren verboten“! Glücklicherweise wurden dem Leser solche Sorgen sofort wieder genommen – nämlich durch den kleinen Infokasten, der erklärte, was man in Deutschland unter Armut versteht:

„Nach dem sogenannten relativen Armutsbegriff der Europäischen Union gilt als arm, wer in einem Haushalt mit einem Einkommen lebt, das weniger als 60 Prozent des Durchschnitts aller Haushalte beträgt. Die Studie der Caritas hält sich an diese Definition der EU. Mit ihr kann Armut auch über die fehlende „Teilhabe“ am gesellschaftlichen Leben beschrieben werden. Als „akut armutsgefährdet“ betrachtet die Studie auch Kinder aus Haushalten, die den Hartz IV-Regelsatz, auch ALG II genannt, beziehen. Zu dem Regelsatz von 351 Euro pro Monat für einen Erwachsenen oder 211 Euro für ein Kind bis 13 Jahren kommen noch „Mehrbedarfe“ sowie Geld für Unterkunft und Heizung. (lsw)“ – Quelle: Gränzbote (Papier- oder E-Paper-Ausgabe)

Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass auch Hartz IV-Empfänger in der Regel in trockenen Wohnungen mit Heizung, Strom und fließendem Wasser leben, und dass sie außerdem sämtliche Leistungen des Gesundheitssystems in Anspruch nehmen können, die Kassenpatienten zustehen.

Nach dieser Darstellung der „Armut“ in Deutschland hier ein paar Eindrücke, wie Armut in den meisten anderen Ländern aussieht (Bilder von Diaconia – alle aus diesem Jahr):

Armut auf Albanisch…



… auf Armenisch…




… und auf Rumänisch



Fazit: wer im Zusammenhang mit Deutschland von materieller „Armut“ redet, der hat keine Ahnung, was Armut ist! Ich würde solchen Leuten einmal empfehlen, in die entsprechenden Länder zu fahren (Rumänien und Albanien sind ja nicht so weit weg) und sich echte – sprich: absolute - Armut anzusehen. An dem Punkt spreche ich aus Erfahrung – seit ich nicht nur auf Bildern sondern „live“ wirkliche Armut gesehen habe, kommt mir die Armutsdiskussion in Deutschland nicht nur lächerlich, sondern geradezu unverschämt vor – unverschämt gegenüber denen, die froh wären, wenn sie (im entsprechenden Verhältnis) so viel hätten, wie bei uns die angeblich Armen!