Zu Beginn meiner Ehe mit einem Schwaben gab es bei uns häufig folgenden Dialog:
Ich: „Bist du heute Mittag zuhause?“ - Er: „Nein, ich habe um 15 Uhr einen Termin.“
Ja, so ist das hier im Ländle – den Nachmittag gibt es nicht, den erspart man sich. Stattdessen wird einem vormittags an der Discounter-Kasse „En schöne Middag!“ gewünscht, wobei die Kassiererin keineswegs nur die Zeit von zwölf bis zwei meint. Eine Ausnahme ist es natürlich, und das kommt bei uns in der Gemeinde öfter vor, da es durch die Bundeswehr viele „Reigschmeckte“ gibt, dass die Kassiererin aus einem anderen Teil Deutschlands (oder Europas) kommt. Dann ist die Welt wieder in Ordnung und der Nachmittag wieder da :)
Übrigens habe ich mir inzwischen angewöhnt, meinen Mann zu fragen, ob er ZUM MITTAGESSEN zuhause ist. Damit vermeide ich Missverständnisse, denn zu Mittag essen auch die Schwaben normalerweise nur um die Mittagszeit.
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Samstag, 3. August 2013
Mittwoch, 20. Juni 2012
Eva schläft von Francesca Melandri - Rezension
In dem Roman geht es um die Lebensgeschichte von Gerda Huber und ihrer Tochter Eva. Die Geschichte der beiden Frauen und ihrer Familie bildet den Rahmen für ein wesentlich interessanteres und spannenderes Thema: die Geschichte Südtirols und seiner Bewohner.
Die Autorin springt mit jedem neuen Kapitel von der Vergangenheit in die Gegenwart und wieder zurück. Die Kapitel der Gegenwart beschreiben in der ersten Person Evas Bahnreise in den Süden Italiens, wo sie einen Mann treffen möchte, der einmal der Liebhaber ihrer Mutter war und den sie als ihren Ziehvater betrachtete, bis er aus „Staats- und Familienräson“ die beiden verließ. Dabei erinnert sie sich an Ereignisse aus ihrer Kindheit. Die Kapitel der Vergangenheit sind dagegen in der dritten Person verfasst und beginnen im Jahr 1919, als Südtirol von den Siegermächten des ersten Weltkriegs an Italien gegeben wurde und die Unterdrückung der deutschsprachigen Minderheit und die Zwangsitalianisierung begann. Schonungslos und keineswegs einseitig beschreibt die Autorin, die selbst Italienerin ist, aber in Südtirol aufwuchs, anhand der Geschichte der Familie Huber und anderer Personen, wie man versuchte, mit diesen Zwangsmaßnahmen umzugehen – oder ihnen zu entgehen.
Das Buch ist sehr flüssig geschrieben und spannend zu lesen, wobei ich persönlich die Gegenwartskapitel, die jedoch im Verlauf des Buches glücklicherweise immer kürzer werden, fast als überflüssig empfand. Sie wirkten auf mich wie unwillkommene Werbeunterbrechungen während eines spannenden Films – auch wenn sie streckenweise ganz kurzweilig sind, wartet man doch nur darauf, dass es mit dem eigentlichen Film weitergeht. Dabei haben die Beschreibungen der Mitreisenden und der Landschaft durchaus ihren Unterhaltungswert. Das Thema der erfolgreichen Geschäftsfrau mit ihrem verkorksten Liebesleben inklusive unvermeidlichem verheiratetem Dauerliebhaber und in heutigen Geschichten fast ebenso unvermeidlichem homosexuellem „besten Freund“ (in diesem Fall ist es ein Cousin) ist jedoch zu ausgelutscht, als dass es noch interessant wäre.
Dagegen läuft die Autorin in den Kapiteln über die Vergangenheit zur Höchstform auf. Die Geschichte der jungen Gerda und ihrer Familie wird immer wieder unmittelbar von der Geschichte Südtirols beeinflusst. Gerdas Vater, ein Waisenjunge, der bedingt durch die italienischen Misshandlungen erst zu einem Kollaborateur der italienischen Faschisten, dann zu einem Anhänger der deutschen Nazis und in der Folge zum Außenseiter wird und später kaum Verantwortung für seine Familie übernimmt, prägt schließlich auch das Leben seiner Tochter – spätestens als er sie, noch minderjährig, fortschickt, um in einem Hotel zu arbeiten. Die jungen weiblichen Hilfskräfte in der Gastronomie wurden nicht ohne Grund als „Matratzen“ bezeichnet und letztlich endet auch Gerda mit einem Kind, dessen Vater, der Sohn eines ehemals armen Bauern, der zum Hotelbesitzer und Skiliftbetreiber aufgestiegen ist, von seinem Vater daran gehindert wird, sie zu heiraten. Von ihrem eigenen Vater wird sie endgültig vor die Tür gesetzt. Gleichzeitig betätigt sich einer ihrer Brüder als Terrorist, der versucht, die Italiener mit Gewalt aus Südtirol zu vertreiben. Ihr italienischer Liebhaber, der Polizist Vito, darf sie schließlich genau aus diesem Grund nicht heiraten.
Diese Kapitel des Romans, die den Hauptteil ausmachen, sind fesselnd geschrieben und man ist nach jedem Kapitel gespannt, wie es weitergeht. Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Buch, das durch eine klare Sprache besticht und es daher dem Leser erspart, sich mit einem „nobelpreisverdächtigen“ Stil herumzuschlagen, was das Lesen sehr angenehm macht.
Mittwoch, 7. März 2012
Gestern Abend vor 25 Jahren
Hier in Deutschland erinnern sich vielleicht nicht mehr viele daran, dass am Abend des 6. März 1987 die Fähre „Herald Of Free Enterprise“ vor dem Hafen von Zeebrügge innerhalb kürzester Zeit auf die Seite kippte und 193 Menschen in den Tod riss. Das ist verständlich, denn unter den Toten waren meines Wissens keine Deutschen. Ich weiß lediglich von einer deutschen Überlebenden, deren Geschichte in unserer Zeitung stand, weil sie aus der weiteren Region stammte.
Mich hat die Sache damals ziemlich beschäftigt, denn immerhin war ich zu der Zeit schon mehrmals mit der Fähre über den Ärmelkanal gefahren – wenn auch meistens von Calais aus – und hatte gerade in dem Jahr vor, es erneut zu tun. Zuerst mit Familie und Wohnmobil für den Sommerurlaub und später im Jahr, um mein Studium am Pitman College in London zu beginnen.
Nun war es nicht so, dass ich deswegen Angst gehabt hätte, erneut eine Fähre zu besteigen – in dieser Hinsicht war meine größte Angst auch nach dem Unglück immer noch die vor der Seekrankheit ;) Aber ich konnte mir allzu lebhaft vorstellen, wie es sein musste, hilflos im kalten Wasser gefangen zu sein und Angst vor dem Ertrinken oder Erfrieren haben zu müssen. Ich überlegte, wie es die Überlebenden wohl geschafft hatten, aus dem Schiff, das ja auf der Seite lag, heraus zu kommen, und frage mich, wie viele von ihnen jemals wieder freiwillig mit so einem Schiff gefahren sind.
In Großbritannien und Belgien gab es gestern Gedenkveranstaltungen, von denen man allerdings nur lesen konnte, wenn man die Berichte darüber auf Google News suchte. In der St. Mary’s Church in Dover gibt es sogar ein Kirchenfenster zum Gedenken an die Opfer des Unglücks. 2004 habe ich es eher zufällig entdeckt bei einem Aufenthalt in Dover, während ich darauf wartete, dass die Fähre auslief, mit der ich fahren wollte.
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Freitag, 9. Dezember 2011
Das 1-Euro-pro-Tag Experiment
Es ist immer wieder beeindruckend, wie viel Geld für wohltätige Zwecke zusammenkommt, wenn Promis bei irgendeiner Fernseh-Spendengala zu Spenden aufrufen und womöglich auch noch selbst am Telefon sitzen. Auf einmal öffnen sich die Brieftaschen, die sonst das ganze Jahr über – außer vielleicht zu Weihnachten – verschlossen sind, sich dafür aber umso leichter öffnen, wenn es um Luxusgüter für den eigenen Bedarf geht.
Ganz unwillig scheinen viele Menschen zu sein, wenn es um regelmäßige Spenden geht, wie etwa für Kinderpatenschaften. Dabei sind die monatlichen Beiträge im Vergleich zum Nutzen eigentlich lächerlich. Für lediglich zwischen 25 und 35 Euro pro Monat versorgen die Patenschaftsorganisationen ein Kind mit allem Nötigen, das es braucht, um ein einigermaßen menschenwürdiges Leben zu führen. Es ist bemerkenswert, zu hören, welche gut situierten Leute eine solche Patenschaft nicht übernehmen, weil sie sich einbilden, dafür womöglich auf etwas verzichten zu müssen. In den seltensten Fällen ist dies jedoch der Fall.
Zum Beweis lade ich dich zu einem Experiment ein: stecke für einen oder zwei (oder auch mehrere) Monate jeden Tag einen Euro in eine Spardose und achte am Ende des Monats darauf, ob du tatsächlich wegen dieses einen Euro pro Tag auf irgendetwas verzichten musstest, das du DRINGEND gebraucht hättest. Falls das nicht der Fall ist, entscheide dich, was du mit dem Geld machen willst, das du ja übrig hast.
Hier eine kleine Entscheidungshilfe (ich persönlich kenne die Organisationen Diaconia und KiKo, die beide absolut seriös sind und sauber arbeiten):
Ayuda Directa (www.ayudadirecta.org - Ecuador)
Brot des Lebens (www.brot-des-lebens.org - Armenien, Bosnien, Rumänien)
Bulungi (www.bulungi.de - Uganda)
Compassion (www.compassion-de.org - verschiedene Länder)
Diaconia (www.diaconia.org – Armenien und Rumänien)
Friedensflecken (www.friedensflecken.de - Kinder christlicher Familien im Heiligen Land)
Funyula Vision (www.funyula-vision.com - Kenya)
GAiN (www.gain-germany.org – Uganda, Indien, Portugal, auch Frauenpatenschaften in Indien)
Isis Hilfsprojekte (www.isis-hilfsprojekte.de - Ägypten)
KiKo (www.kiko-ev.de – Programmpatenschaften für geistig behinderte Kinder in Kolumbien)
Kindernothilfe (www.kindernothilfe.de – verschiedene Länder)
Missionswerk Frohe Botschaft (www.mfb-info.de - Kenia, Ruanda, Uganda, auch Seniorenpatenschaften in Uganda)
ora Patenherz (www.patenherz.de - verschiedene Länder)
Plan (www.plan-deutschland.de – verschiedene Länder)
Projekthilfe Südostasien (www.projekthilfe-suedostasien.de - Burma und Vietnam)
SOS Kinderdörfer (www.sos-paten.de – verschiedene Länder)
Regenbogen-Atelier (www.waisenkinderperu.de.vu - Peru)
Vision für Afrika (www.visionforafrica-intl.org - Uganda)
World Vision (www.worldvision.de – verschiedene Länder)
Ganz unwillig scheinen viele Menschen zu sein, wenn es um regelmäßige Spenden geht, wie etwa für Kinderpatenschaften. Dabei sind die monatlichen Beiträge im Vergleich zum Nutzen eigentlich lächerlich. Für lediglich zwischen 25 und 35 Euro pro Monat versorgen die Patenschaftsorganisationen ein Kind mit allem Nötigen, das es braucht, um ein einigermaßen menschenwürdiges Leben zu führen. Es ist bemerkenswert, zu hören, welche gut situierten Leute eine solche Patenschaft nicht übernehmen, weil sie sich einbilden, dafür womöglich auf etwas verzichten zu müssen. In den seltensten Fällen ist dies jedoch der Fall.
Zum Beweis lade ich dich zu einem Experiment ein: stecke für einen oder zwei (oder auch mehrere) Monate jeden Tag einen Euro in eine Spardose und achte am Ende des Monats darauf, ob du tatsächlich wegen dieses einen Euro pro Tag auf irgendetwas verzichten musstest, das du DRINGEND gebraucht hättest. Falls das nicht der Fall ist, entscheide dich, was du mit dem Geld machen willst, das du ja übrig hast.
Hier eine kleine Entscheidungshilfe (ich persönlich kenne die Organisationen Diaconia und KiKo, die beide absolut seriös sind und sauber arbeiten):
Ayuda Directa (www.ayudadirecta.org - Ecuador)
Brot des Lebens (www.brot-des-lebens.org - Armenien, Bosnien, Rumänien)
Bulungi (www.bulungi.de - Uganda)
Compassion (www.compassion-de.org - verschiedene Länder)
Diaconia (www.diaconia.org – Armenien und Rumänien)
Friedensflecken (www.friedensflecken.de - Kinder christlicher Familien im Heiligen Land)
Funyula Vision (www.funyula-vision.com - Kenya)
GAiN (www.gain-germany.org – Uganda, Indien, Portugal, auch Frauenpatenschaften in Indien)
Isis Hilfsprojekte (www.isis-hilfsprojekte.de - Ägypten)
KiKo (www.kiko-ev.de – Programmpatenschaften für geistig behinderte Kinder in Kolumbien)
Kindernothilfe (www.kindernothilfe.de – verschiedene Länder)
Missionswerk Frohe Botschaft (www.mfb-info.de - Kenia, Ruanda, Uganda, auch Seniorenpatenschaften in Uganda)
ora Patenherz (www.patenherz.de - verschiedene Länder)
Plan (www.plan-deutschland.de – verschiedene Länder)
Projekthilfe Südostasien (www.projekthilfe-suedostasien.de - Burma und Vietnam)
SOS Kinderdörfer (www.sos-paten.de – verschiedene Länder)
Regenbogen-Atelier (www.waisenkinderperu.de.vu - Peru)
Vision für Afrika (www.visionforafrica-intl.org - Uganda)
World Vision (www.worldvision.de – verschiedene Länder)
Montag, 4. April 2011
Urlaub in... Italien???
Wenn mich jemand fragt, wo wir unseren nächsten Urlaub verbringen, sage ich „Südtirol“ – was stimmt, denn da werden wir demnächst hinfahren. Allerdings würde es mir nie in den Sinn kommen, zu sagen, wir führen nach Italien, obwohl das geographisch richtig ist, aber dann hätte ich das Gefühl, mein Gegenüber bekäme eine falsche Vorstellung von der Gegend, in die wir fahren. Wenn ich nach Wales reise, kann ich ebenso gut sagen, ich fahre nach Großbritannien, auch bei Elsass-Lothringen, das ja irgendwie noch so ein kleines bisschen deutsch ist, kommt mir das Wort „Frankreich“ leicht über die Lippen. Aber Südtirol und Italien? Das passt zusammen wie Bolognesesauce zu Eiscreme. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass in der Region alles, was irgendwie offiziell ist (Hinweisschilder usw.) zweisprachig daher kommt, ab und zu auch nur Italienisch. Noch nicht einmal die Erfahrung, dass wir damals als Kinder 100 Lire in den Kaugummiautomaten geworfen haben (worüber wir uns köstlich amüsierten, denn Lire war ja so etwas wie bei uns D-Mark und nicht etwa Pfennig, und 100 DM für ein Kaugummi war schon irgendwie eine lustige Vorstellung), konnte uns mental darauf einstellen, dass wir in Italien waren. Ich frage mich, ob es noch eine andere Region in Europa gibt, die so wenig zu dem Rest des Staates passt, zu dem sie offiziell gehört (mit Regionen, die außerhalb Europas liegen, aber zu einem europäischen Staat gehören, verhält es sich teilweise anders)! Ich bin zwar noch nicht überall gewesen, aber doch in ziemlich vielen Regionen zumindest West-Europas, trotzdem fällt mir keine ein. Südtirol unterscheidet sich jedenfalls in jeder Hinsicht vom Rest Italiens – wenn man vom „Erz“-Katholizismus absieht, der wirklich in ganz Italien herrscht, Südtirol eingeschlossen!
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Sonntag, 20. März 2011
Tränenstück
Die getragenen Passagen dieses Musikstücks haben mich als Kind regelmäßig und zuverlässig zum Weinen gebracht. Meine Mutter hatte mir erklärt, dass das Stück beschreibt, wie ein Wasserlauf (eben die Moldau, ist aber auswechselbar) sich von einem kleinen hüpfenden Bächlein in einen breiten gemächlich dahinfließenden Strom verwandelt. Keine Ahnung, was ich daran so traurig fand, und noch weniger Ahnung, warum ich diese Schallplatte (für die Jungen unter euch, das sind runde schwarze Dinger mit Rillen, von denen man früher Musik abgespielt hat, habt ihr vielleicht schon mal auf dem Flohmarkt oder in Antiquitätenläden gesehen) immer wieder aufgelegt habe. Vielleicht aus dem gleichen Grund, warum man sich immer wieder einen bestimmten traurigen Film anschaut, obwohl man weiß, dass man jedesmal an derselben Stelle wieder anfängt zu heulen. Immer noch besser, als wenn man wirklich Grund dazu hat - zum Weinen, meine ich. Wenn ich schon traurig war (mit Grund), habe ich lieber ABBA oder die Bay City Rollers gehört, um mich wieder aufzumuntern.
Samstag, 8. Mai 2010
Tag der teilweisen Befreiung
Wie selbstverständlich redet man heutzutage in Deutschland vom 8. Mai 1945, also dem offiziellen Ende des 2. Weltkrieges, als "Tag der Befreiung". Dass dies unzweifelhaft, aber fast ausschließlich für die Menschen im Westen Deutschlands und Europas, sowie im Osten für die meisten Insassen der Konzentrationslager galt, zeigt das Buch „Tag der Befreiung?“ von Hubertus Knabe in eindrücklicher Weise.
Der Autor schildert, wie im Einflussgebiet der Sowjetunion ein Gewaltsystem nahtlos durch ein anderes ersetzt wurde. Auch Menschen, die das Ende des Nationalsozialismus herbeigesehnt und die sowjetischen Truppen willkommen geheißen hatten, wurden oft bitter enttäuscht. Jüdische Frauen, die während des Dritten Reiches untergetaucht waren und sich nach dem Einmarsch der "Russen" erneut verstecken mussten, um Vergewaltigungen zu entgehen, Kommunisten und Demokraten, die kurz nach ihrer Befreiung aus den Konzentrationslagern wieder dort landeten - zum Teil im selben Lager - sowie sowjetische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, die zunächst von ihrer eigenen Regierung noch einmal eingesperrt und zur Zwangsarbeit verpflichtet wurden, gehörten zu den Menschen, die damals wie heute als "Befreite" galten.
Während sich die Westalliierten in ihrem Machtbereich um eine Aufarbeitung der NS-Verbrechen und ein gewisses Maß an Rechtsstaatlichkeit bemühten, sahen sie fast tatenlos zu, wie in der sowjetischen Zone bis in die fünfziger Jahre wahllos Menschen festgenommen, verschleppt, gefoltert und umgebracht wurden. Auch Kinder und Jugendliche wurden nicht verschont. Den Massenvergewaltigungen fielen nicht allein deutsche Frauen und Mädchen (bis ins Kindesalter) zum Opfer, sondern auch sowjetische Zwangsarbeiterinnen, die nach der Stalinschen Ideologie als „Verräter“ galten, da sie den Deutschen lebend in die Hände gefallen waren, statt sich umbringen zu lassen.
Das Buch räumt mit der von vielen gehegten Illusion auf, die Menschen im Osten wären tatsächlich "befreit" worden. Dass dies keineswegs so war, zeigen die zitierten Augenzeugenberichte und auch inzwischen zugänglich gemachte Dokumente der ehemaligen Sowjetunion mehr als deutlich. Bei Gedenkfeiern zum „Tag der Befreiung“ sollte daher auch dieser Menschen gedacht werden, an denen die Befreiung spurlos vorüberging und die lediglich vom Regen in die Traufe kamen!
Der Autor schildert, wie im Einflussgebiet der Sowjetunion ein Gewaltsystem nahtlos durch ein anderes ersetzt wurde. Auch Menschen, die das Ende des Nationalsozialismus herbeigesehnt und die sowjetischen Truppen willkommen geheißen hatten, wurden oft bitter enttäuscht. Jüdische Frauen, die während des Dritten Reiches untergetaucht waren und sich nach dem Einmarsch der "Russen" erneut verstecken mussten, um Vergewaltigungen zu entgehen, Kommunisten und Demokraten, die kurz nach ihrer Befreiung aus den Konzentrationslagern wieder dort landeten - zum Teil im selben Lager - sowie sowjetische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, die zunächst von ihrer eigenen Regierung noch einmal eingesperrt und zur Zwangsarbeit verpflichtet wurden, gehörten zu den Menschen, die damals wie heute als "Befreite" galten.
Während sich die Westalliierten in ihrem Machtbereich um eine Aufarbeitung der NS-Verbrechen und ein gewisses Maß an Rechtsstaatlichkeit bemühten, sahen sie fast tatenlos zu, wie in der sowjetischen Zone bis in die fünfziger Jahre wahllos Menschen festgenommen, verschleppt, gefoltert und umgebracht wurden. Auch Kinder und Jugendliche wurden nicht verschont. Den Massenvergewaltigungen fielen nicht allein deutsche Frauen und Mädchen (bis ins Kindesalter) zum Opfer, sondern auch sowjetische Zwangsarbeiterinnen, die nach der Stalinschen Ideologie als „Verräter“ galten, da sie den Deutschen lebend in die Hände gefallen waren, statt sich umbringen zu lassen.
Das Buch räumt mit der von vielen gehegten Illusion auf, die Menschen im Osten wären tatsächlich "befreit" worden. Dass dies keineswegs so war, zeigen die zitierten Augenzeugenberichte und auch inzwischen zugänglich gemachte Dokumente der ehemaligen Sowjetunion mehr als deutlich. Bei Gedenkfeiern zum „Tag der Befreiung“ sollte daher auch dieser Menschen gedacht werden, an denen die Befreiung spurlos vorüberging und die lediglich vom Regen in die Traufe kamen!
Sonntag, 3. Januar 2010
Bücher und andere Geschenke
Das neue Jahr ist schon ein paar Tage alt und ich sollte wieder etwas regelmäßiger bloggen. Das ist kein Vorsatz für dieses Jahr – solche Vorsätze habe ich schon lange nicht mehr, denn ich halte sie nie ein ;)
Zu Weihnachten haben wir eine Menge Bücher geschenkt bekommen, und einige, die nicht dabei waren, die wir aber unbedingt haben wollten, haben wir uns noch bestellt. Daher wird uns in der nächsten Zeit der Lesestoff nicht ausgehen – und wenn doch, können wir ja immer noch Bücher aus unserem bisherigen schon sehr reichhaltigen Fundus lesen. Der ist übrigens so reichhaltig, dass wir in der neuen Wohnung ein ganzes Zimmer – eines der beiden größten – als Bibliothek eingeplant haben. Ich hoffe nur, dass der Platz dann endlich mal reicht!
Ein weiteres Geschenk, das wir bekommen haben, ist eine Kreuzfahrt (jawohl, richtig gelesen!). Und zwar nicht nur für uns beide, sondern mein Vater hat seine Kinder samt Anhang (außer meinem Bruder Stefan, für den das leider viel Stress und wenig Vergnügen wäre) zu einer Kreuzfahrt auf der AIDAblu zu den Kanarischen Inseln und Madeira eingeladen. Wir werden insgesamt 7 Erwachsene und 2 Kinder sein. Wie mein Vater in seiner trockenen Art ist, hat er uns das Ganze so „nebenbei“ gesagt, als wir nach der Weihnachtsbescherung gemütlich zusammen saßen, und natürlich hat keiner von uns die Dimension dieser Ankündigung sofort kapiert. Schade, dass niemand unsere Gesichter fotografiert hat ;)
Auf diese Weise werden Hermann und ich in diesem Jahr drei Mal jeweils eine Woche Urlaub (Frühjahr London, Sommer Sachsen, Herbst Kanaren) machen und irgendwann dazwischen noch umziehen. Ich bin sehr gespannt, wie das wohl wird!
Zu Weihnachten haben wir eine Menge Bücher geschenkt bekommen, und einige, die nicht dabei waren, die wir aber unbedingt haben wollten, haben wir uns noch bestellt. Daher wird uns in der nächsten Zeit der Lesestoff nicht ausgehen – und wenn doch, können wir ja immer noch Bücher aus unserem bisherigen schon sehr reichhaltigen Fundus lesen. Der ist übrigens so reichhaltig, dass wir in der neuen Wohnung ein ganzes Zimmer – eines der beiden größten – als Bibliothek eingeplant haben. Ich hoffe nur, dass der Platz dann endlich mal reicht!
Ein weiteres Geschenk, das wir bekommen haben, ist eine Kreuzfahrt (jawohl, richtig gelesen!). Und zwar nicht nur für uns beide, sondern mein Vater hat seine Kinder samt Anhang (außer meinem Bruder Stefan, für den das leider viel Stress und wenig Vergnügen wäre) zu einer Kreuzfahrt auf der AIDAblu zu den Kanarischen Inseln und Madeira eingeladen. Wir werden insgesamt 7 Erwachsene und 2 Kinder sein. Wie mein Vater in seiner trockenen Art ist, hat er uns das Ganze so „nebenbei“ gesagt, als wir nach der Weihnachtsbescherung gemütlich zusammen saßen, und natürlich hat keiner von uns die Dimension dieser Ankündigung sofort kapiert. Schade, dass niemand unsere Gesichter fotografiert hat ;)
Auf diese Weise werden Hermann und ich in diesem Jahr drei Mal jeweils eine Woche Urlaub (Frühjahr London, Sommer Sachsen, Herbst Kanaren) machen und irgendwann dazwischen noch umziehen. Ich bin sehr gespannt, wie das wohl wird!
Dienstag, 30. Juni 2009
Armut auf Deutsch
„Jedes achte Kind im Südwesten ist von Armut bedroht“ – diese Überschrift sprang uns heute morgen von der Titelseite des „Gränzbote“, der hiesigen Lokalzeitung, entgegen. Dabei war mit „Südwesten“ keineswegs Lateinamerika oder der Westen Afrikas gemeint. Nein, gemeint war unser schönes „Ländle“, das ja bekanntermaßen im Südwesten Deutschlands liegt. Von „extremen Formen von Armut“ sprach in dem Artikel ein Mensch von der Caritas. Oh, Hilfe! War es vielleicht doch falsch, dass wir die Patenkinder in Armenien genommen haben und sollten wir jetzt statt dessen lieber die hungernden Kinder in Deutschland unterstützen? Nicht, dass eines Tages hier dünne, zerlumpte und von Krankheit gezeichnete Gestalten über die Straßen wandeln und man wieder Schilder an den Türen sieht wie in der Nachkriegszeit: „Betteln und Hausieren verboten“! Glücklicherweise wurden dem Leser solche Sorgen sofort wieder genommen – nämlich durch den kleinen Infokasten, der erklärte, was man in Deutschland unter Armut versteht:
„Nach dem sogenannten relativen Armutsbegriff der Europäischen Union gilt als arm, wer in einem Haushalt mit einem Einkommen lebt, das weniger als 60 Prozent des Durchschnitts aller Haushalte beträgt. Die Studie der Caritas hält sich an diese Definition der EU. Mit ihr kann Armut auch über die fehlende „Teilhabe“ am gesellschaftlichen Leben beschrieben werden. Als „akut armutsgefährdet“ betrachtet die Studie auch Kinder aus Haushalten, die den Hartz IV-Regelsatz, auch ALG II genannt, beziehen. Zu dem Regelsatz von 351 Euro pro Monat für einen Erwachsenen oder 211 Euro für ein Kind bis 13 Jahren kommen noch „Mehrbedarfe“ sowie Geld für Unterkunft und Heizung. (lsw)“ – Quelle: Gränzbote (Papier- oder E-Paper-Ausgabe)
Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass auch Hartz IV-Empfänger in der Regel in trockenen Wohnungen mit Heizung, Strom und fließendem Wasser leben, und dass sie außerdem sämtliche Leistungen des Gesundheitssystems in Anspruch nehmen können, die Kassenpatienten zustehen.
Nach dieser Darstellung der „Armut“ in Deutschland hier ein paar Eindrücke, wie Armut in den meisten anderen Ländern aussieht (Bilder von Diaconia – alle aus diesem Jahr):
Armut auf Albanisch…

… auf Armenisch…

Fazit: wer im Zusammenhang mit Deutschland von materieller „Armut“ redet, der hat keine Ahnung, was Armut ist! Ich würde solchen Leuten einmal empfehlen, in die entsprechenden Länder zu fahren (Rumänien und Albanien sind ja nicht so weit weg) und sich echte – sprich: absolute - Armut anzusehen. An dem Punkt spreche ich aus Erfahrung – seit ich nicht nur auf Bildern sondern „live“ wirkliche Armut gesehen habe, kommt mir die Armutsdiskussion in Deutschland nicht nur lächerlich, sondern geradezu unverschämt vor – unverschämt gegenüber denen, die froh wären, wenn sie (im entsprechenden Verhältnis) so viel hätten, wie bei uns die angeblich Armen!
„Nach dem sogenannten relativen Armutsbegriff der Europäischen Union gilt als arm, wer in einem Haushalt mit einem Einkommen lebt, das weniger als 60 Prozent des Durchschnitts aller Haushalte beträgt. Die Studie der Caritas hält sich an diese Definition der EU. Mit ihr kann Armut auch über die fehlende „Teilhabe“ am gesellschaftlichen Leben beschrieben werden. Als „akut armutsgefährdet“ betrachtet die Studie auch Kinder aus Haushalten, die den Hartz IV-Regelsatz, auch ALG II genannt, beziehen. Zu dem Regelsatz von 351 Euro pro Monat für einen Erwachsenen oder 211 Euro für ein Kind bis 13 Jahren kommen noch „Mehrbedarfe“ sowie Geld für Unterkunft und Heizung. (lsw)“ – Quelle: Gränzbote (Papier- oder E-Paper-Ausgabe)
Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass auch Hartz IV-Empfänger in der Regel in trockenen Wohnungen mit Heizung, Strom und fließendem Wasser leben, und dass sie außerdem sämtliche Leistungen des Gesundheitssystems in Anspruch nehmen können, die Kassenpatienten zustehen.
Nach dieser Darstellung der „Armut“ in Deutschland hier ein paar Eindrücke, wie Armut in den meisten anderen Ländern aussieht (Bilder von Diaconia – alle aus diesem Jahr):
Armut auf Albanisch…

… auf Armenisch…

Fazit: wer im Zusammenhang mit Deutschland von materieller „Armut“ redet, der hat keine Ahnung, was Armut ist! Ich würde solchen Leuten einmal empfehlen, in die entsprechenden Länder zu fahren (Rumänien und Albanien sind ja nicht so weit weg) und sich echte – sprich: absolute - Armut anzusehen. An dem Punkt spreche ich aus Erfahrung – seit ich nicht nur auf Bildern sondern „live“ wirkliche Armut gesehen habe, kommt mir die Armutsdiskussion in Deutschland nicht nur lächerlich, sondern geradezu unverschämt vor – unverschämt gegenüber denen, die froh wären, wenn sie (im entsprechenden Verhältnis) so viel hätten, wie bei uns die angeblich Armen!
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Donnerstag, 18. Juni 2009
Donautal-Marathon

Am letzten Sonntag fand in unserer winzigen Stadt eines der Highlights des Jahres statt (viele gibt's davon nicht): der Donautal-Marathon (Hausen im Tal - Tuttlingen) führte durch unsere "Vorstadt" - sogar fast an unserem Haus vorbei, leider nicht ganz. Darum musste ich mich doch bei dem schwülen Wetter auf die Straße wagen um ein paar Fotos zu machen. Das Wetter sorgte übrigens auch dafür, dass das Rote Kreuz doppelt soviele Läufer verarzten musste wie sonst.
Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass der Donauradweg direkt an unserem Haus vorbei führt?
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Montag, 8. Juni 2009
Wahlen vorbei!
So, die Wahlen wären geschafft! Die Bundestagswahlen im Herbst sind ja dann wieder einfach ;) Was ich geradezu verrückt finde, ist die niedrige Wahlbeteiligung – selbst bei unseren Kommunalwahlen, aber erst recht bei den Europawahlen. Offensichtlich hat es sich noch nicht herumgesprochen, dass das Europäische Parlament keineswegs mehr, so wie es früher einmal war, nur Staffage ist. Es hat inzwischen wichtige Entscheidungsbefugnisse und von daher ist es schon sehr wichtig, wer da das Sagen hat. Dabei geht es auch keineswegs „nur“ um wirtschaftliche Themen oder wie groß Äpfel und wie krumm Bananen sein müssen, sondern auch um „lebenswichtige“ Fragen, die jeden von uns betreffen oder irgendwann betreffen könnten. Schon von daher sollte es keinem Bürger der EU egal sein, wer im Europäischen Parlament das Sagen hat!
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Freitag, 5. Juni 2009
Wahlen
Am Sonntag finden bei uns in Baden-Württemberg außer den Europa- auch noch die Kommunal- und Kreistagswahlen statt. Es ist das erste Mal, dass ich hier im „Ländle“ wählen gehe. Und denke: „Was war’s in NRW doch vordem mit Wählen gehen so bequem… „ (frei nach dem Heinzelmännchen-Lied *s*). Während man in Nordrhein-Westfalen bei Kommunalwahlen gerade mal zwei Stimmen hat (Erststimme: Direktkandidat, Zweitstimme: Partei) ist es hier vieeel komplizierter. Es wird nämlich kumuliert und panaschiert – häää??? Okay, was damit gemeint war, wusste ich schon vorher, und war immer froh, dass es das „bei uns“ nicht gab. Aber jetzt steck ich mittendrin. Zur Kommunalwahl: man hat soviele Stimmen wie Mitglieder im Gemeinderat sitzen. Jede Partei oder Wählerliste stellt dann in der Regel so viele Kandidaten auf, wie in den Gemeinderat passen – oder auch mehr. Dabei kann man einem Kandidaten bis zu drei Stimmen geben, wobei andere Kandidaten dann natürlich hinten runter fallen. Außerdem treten auch gar keine abgrenzbaren Parteilisten an, sondern die „Freien Wähler“, „SPD und Unabhängige“, die „Liste Öko“ oder ähnliche Gruppierungen, mit deren Ausrichtung man als „Reingeschmeckter“ (so heißen die Zugezogenen hier) nur bedingt etwas anfangen kann. Was aber für die Einheimischen nicht wirklich wichtig ist, denn die wählen sowieso keine Parteien oder Listen, sondern suchen sich aus allen Listen ihre persönlichen Sympathieträger zusammen – man kennt sich ja schließlich dort, wo sich 3000-Einwohner-Dörfer stolz als „Stadt“ bezeichnen dürfen und es „Hochschul- und Kreisstädte“ mit knapp 35000 Einwohnern gibt (ersteres wäre in NRW höchstens „Stadtteil“ und letzteres würde allenfalls als nette kleine Mittelstadt zu irgendeinem Landkreis gehören). Hermann wählt natürlich auch genau so – mal den einen von dieser Liste und die andere von jener. Bei mir hält sich das Ganze noch in Grenzen – nicht zuletzt aus Solidarität mit den Wahlvorständen, zu denen ich in NRW schon mehrmals gehören durfte. Und selbst dort sind Stimmenauszählungen schon manchmal langwierig – wie viele Nachtschichten hier in BW eingelegt werden müssen, bis alles auseinander klamüsert ist, möchte ich gar nicht wissen!
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