Der Autor erzählt „eine Weltgeschichte“ seiner Familie, wobei sich der Teil dieser Weltgeschichte, der in dem Buch erzählt wird, hauptsächlich in Deutschland und Israel abspielt, denn dort leben oder lebten die meisten Mitglieder der erweiterten Familie Wolffsohn. Dies macht es jedoch nicht weniger interessant.
In seiner kurzweiligen Art erzählt Michael Wolffsohn weit
mehr als nur die nüchterne Geschichte in Zahlen und Fakten. Er stellt die Personen,
über die er schreibt, so vor, dass sie dem Leser am Ende wie gute Bekannte
vorkommen. Das Buch besteht eher aus vielen Geschichten als einer
zusammenhängenden Geschichte und diese Geschichten werden auch nicht
chronologisch, sondern nach Themen geordnet erzählt. Sie handeln von den
Familien Wolffsohn und Saalheimer in Deutschland, ihrer Flucht fast in letzter
Minute nach Britisch-Palästina (später Israel), ihrem Leben dort und der
Rückkehr eines Teils der Familie nach Deutschland, wo der Großvater Karl
Wolffsohn versuchte, seinen „arisierten“ Besitz zurückzubekommen. Aber nicht
nur mit Nicht-Juden legten sich die Wolffsohns an, auch mit anderen Juden, vor
allem dem jüdischen Establishment. Ab einem bestimmten Zeitpunkt immer
vorneweg: der Autor selbst. Dabei setzt er sich durchaus selbstkritisch mit
seinen früheren „Kämpfen“ auseinander.
Nachdem man sich eingelesen hat – ich fand die fehlende
Chronologie am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig – ist das Buch flüssig zu lesen
und sehr unterhaltsam. Es eignet sich hervorragend als Lektüre zum
Nachmittagstee (oder –kaffee). Ob es sich auch als Bettlektüre eignet, kann ich nicht sagen. Ich selbst habe zu viel zum Nachdenken darin gefunden, um es mir
kurz vor dem Schlafengehen noch zuzumuten.

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