Samstag, 17. April 2010

Ein besonderes Souvenir

Als wir am Ostermontagmittag im übervollen London in einem noch übervolleren Fast Food Imbiss saßen, setzten sich an den Tisch neben uns zwei Soldaten in Kampfuniform und ISAF-Abzeichen am Ärmel. Soweit nichts Besonderes. In Großbritannien können sich Soldaten in Uniform frei bewegen, ohne blöd angemacht und gar als „Mörder“ beschimpft zu werden. Allerdings fiel uns auf, dass sie merkwürdige kleine Eimer mit sich führten und das machte uns zwar neugierig, aber man fragt ja nicht ;) Als wir wenig später nach einem Rundgang durch das – natürlich ebenfalls übervolle – Nobelkaufhaus Harrod’s Richtung U-Bahn-Station gingen, stand dort auf einmal einer der Soldaten mit seinem Eimerchen. Dieses Mal sprachen wir ihn an und es stellte sich heraus, dass er zu den Coldstream Guards (besser bekannt als bärenfellbemützte Wachsoldaten) gehörte und für in Afghanistan verwundete Kameraden sammelte. Da wir gerne Menschen unterstützen, die ihre Gesundheit und sogar ihr Leben im Kampf gegen ideologisch gehirngewaschene Massenmörder und sonstige Menschenverächter riskieren, leisteten wir natürlich einen kleinen Beitrag. Und da man in Großbritannien fast immer etwas bekommt, wenn man für „offizielle“ gute Zwecke spendet, erhielten wir diese netten Gummiarmbänder :)

Ich frage mich allerdings, was sich deutsche Soldaten anhören müssten, die in Kampfuniform in einer deutschen Stadt mal nicht für Kriegsgräber aus vergangenen Zeiten, sondern für verwundete Kameraden in der Gegenwart sammeln würden. Immerhin haben „wir“ ja den Krieg angefangen, um Afghanistan zu erobern, nicht wahr? Und das, wo dieses Land doch vorher eine der am besten funktionierenden Demokratien der Welt war! Immerhin durften sich Frauen und Mädchen innerhalb der eigenen vier Wände unter den Taliban frei bewegen – so ziemlich zumindest. Darum sollten wir auch unsere Truppen sofort abziehen! Dadurch würde die Terrorgefahr hier in Deutschland reduziert, wir hätten wieder unsere Ruhe, die doch so schön war, solange wir (den Nazis sei Dank!) keine Truppen ins Ausland entsandt haben, damit wir nicht wieder als Kriegstreiber dastehen, während die Amerikaner und Briten für uns die Kastanien aus dem Feuer holen durften. So wollen wir es doch wieder haben! Und wen interessieren schon die Leute in Afghanistan – sollen die Taliban da doch machen, was sie wollen! Egal, wenn Mädchen nicht in die Schule und Frauen nicht zum Arzt gehen dürfen, Hauptsache, bei uns stehen alle Bezeichnungen in der weiblichen und der männlichen Form, das ist wichtig. Das ist nun mal deren Kultur und da darf man sich nicht einmischen. Wichtig ist nur, dass sie UNS in Ruhe lassen – wenn sie es denn tun…

1 Kommentar:

Sanne hat gesagt…

Aber genau das ist doch die Frage: Wie können wir den Afghanen, vor allem den Frauen, am besten helfen? Durch Soldaten? Nicht doch besser durch NGOs? Zum Teil wird behauptet, die Soldaten würden die Arbeit der NGOs beschützen. Aber wenn die NGOs sagen, dass ihre Arbeit schwerer wird durch die westlichen Truppen? Allein lassen können wir die Afghanen jetzt nicht, bei dem Schlamassel, den wir angerichtet haben..... Die Afghanen beim Kampf gegen Taliban zu unterstützen, kann sinnvoll sind, aber militärisch? Was ist, wenn die afghanische Bevölkerung nicht mehr mit der Anwesenheit der westlichen Truppen zufrieden ist? (Wenn auch nur, weil sich das Weltbild vieler afghanischer Männer gut mit vielen Aspekten des Weltbildes der Taliban vereinbaren läßt.)
Es ist nicht alles schlechter für die Afghanen geworden seit dem die westlichen Truppen da sind, aber vieles auch nicht wirklich besser - viel gut gemeintes konnte nicht umgesetzt werden.
Aber was ich mir wirklich nicht vorstellen kann: Wie die Terrorgefahr für den Westen durch Kampfeinsätze in Afghanistan verringert werden könnte...
Dass Terrorgefahr besteht, ist ja auch unbestritten. Aber was sind die wirksamen konsequenten und nachhaltigen Maßnahmen?
Lösungen habe ich nicht.
Aber wäre es nicht am besten, die einfachen Soldaten selbst nach ihren Erfahrungen zu befragen, nach ihren Erklärungen dafür, warum das gut gemeinte nicht so wie geplant verwirklicht werden konnte? Sie sind freiwillig gegangen, wohl kaum nur aus Abenteuerlust oder wegen einigen Euro mehr, sondern mit dem Ziel Gutes zu bewirken....