Samstag, 15. Oktober 2011

Mein Strickabenteuer

Eigentlich hatte ich „für immer“ aufgehört zu stricken und sonstige Handarbeiten zu machen, nachdem ich endlich das entsprechende Schulfach hinter mir gelassen hatte. Ich hatte nie ein sonderliches Talent dafür, nicht zuletzt, da ich zwei ungeschickte Hände habe, aber ich mochte es, mit dem bunten Garn umzugehen, und so hätte ich sicher mehr Freude an der Sache gehabt, wenn es in der Schule für diese Dinge nicht Zensuren gegeben hätte. Da war der Misserfolg schon mal vorprogrammiert, und meine beiden Handarbeitslehrerinnen unterließen es nie, Bemerkungen über die „Werke“ weniger talentierter Schüler zu machen. Also war ich einfach nur froh, als ich nicht mehr handarbeiten musste, obwohl ich nach wie vor alle beneidete, die toll stricken, häkeln oder nähen und sich schöne Sachen selbst machen konnten.



Was mich vor kurzem dazu gebracht hat, es wieder zu versuchen, war ein Buch, über das Laura Porter von About.com London Travel etwas bei Twitter gepostet hatte. Das Buch heißt „Stitch London“ und enthält Strickmuster für fast alles, was man typischerweise mit London verbindet – von der Queen über ihre Wachsoldaten und den Bobbys bis zu Big Ben und der Tower Bridge. Ja, auch die kann man stricken, natürlich mit der entsprechenden Übung. Und Letzteres war nun gerade mein Problem. So zuckersüß und unwiderstehlich ich die Figürchen auf der Titelseite des Buches als leidenschaftlicher London-Fan fand – sie selbst zu fabrizieren, erschien mir doch unmöglich. Es war mein „Fehler“, diesen „Frust“ auf Twitter kundzutun. Die beiden Londoner Ladies Laura Porter alias @AboutLondon und Lauren O‘Farrell alias @deadlyknitshade, die Autorin des Buches – sie gehört übrigens zur Londoner Strickguerilla - überredeten mich daraufhin, das mit dem Stricken doch einfach mal zu versuchen.



Naja, viel verlieren konnte ich ja nicht. Also schnappte ich mir etwas Restwolle, die wir aus den Vorräten meiner verstorbenen Schwiegermutter noch im Keller hatten, und kaufte mir eine passende Rundstricknadel. Wie nun anfangen? Glücklicherweise gibt es für alles Websites, und für diesen Fall gibt es sogar eine sehr nützliche Website namens „Stricken erlernen“ mit Videos für Leute wie mich, die mit einer Menge Wörter nichts anfangen können, wenn es um Anleitungen geht. Mit Hilfe dieser Videos probierte ich erstmal ein paar Dinge aus – den Anfang natürlich, und rechts und links stricken. Bald kamen aus den Tiefen meines Gehirns die lange verdrängten Erinnerungen hoch und es ging auf einmal ganz flott. Als nächstes musste natürlich besagtes Buch her, das ich mir bestellte und ein paar Tage später in den Händen hielt. Mein erstes Projekt ist der Tubeline Scarf, ein Schal in den Farben der verschiedenen Londoner U-Bahnlinien. Die Dame in unserem örtlichen Woll- und Stoffladen war etwas verwundert , wieso ich ausgerechnet genau diese Farben haben wollte, offensichtlich hatte sie noch nie davon gehört, dass man für die berühmte Londoner „Tube“ nicht irgendwelche Farben nehmen kann - das wäre fast ein Sakrileg!



Bevor ich also zu Wachsoldaten und roten Telefonhäuschen komme – oder der kleinen Taube „Cooey“, für die das Material mit dem Buch mitgeliefert wird – versuche ich mich mit einfacheren Sachen. Hier ist der kurze Anfang eines langen Schals zu sehen:


Um die Anweisungen in dem Buch befolgen zu können, muss man natürlich Englisch verstehen - was man aber nicht sein muss, ist ein Strick-Experte, denn alles wird haarklein erklärt und ist daher auch für Anfänger leicht zu befolgen.

Inzwischen stricke ich jeden Abend, während ich meine geliebten englischen und amerikanischen Krimiserien anschaue und es macht bemerkenswert viel Spaß – ohne Handarbeitslehrerinnen, die einem kritisch über die Schulter schauen und schlechte Zensuren verpassen!

3 Kommentare:

Chinomso hat gesagt…

Und? Zeigst du uns mal dein Werk, wenn es sichtbare Fortschritte gibt??

Ich habe viele Jahre nicht mehr gestrickt. Eigentlich seit meine Jungs keine Pullover mit Bäumchen, Häuschen und Gartenzäunen mehr haben wollen. Das heisst seit ungefähr 20 Jahren. :-) Im Schrank liegt ne Tüte mit weißer Wolle und ein Rückenteil eines Rollkragenpullovers, der eines Tages meinem Mann gehören soll. Da liegt die Tüte ungefähr schon 10 Jahre. Ich könnte mal wieder dran arbeiten.

Deadly Knitshade hat gesagt…

Thanks for the lovely review. I can't wait to see your finished scarf!

Did you know Knit the City was out in German before it was out in the UK? I'm a huge fan of all things German. :)

http://www.knitthecity.com/2011/03/01/achtung-yarnstorming-berlin-for-our-brand-new-book/

Kirsten hat gesagt…

Oh, das kommt mir sehr bekannt vor...
Ich habe mir schon die Maschenprobe erspart, weil ich schnell fertig werden wollte.
Wie habe ich die Mädels beneidet, die so schön gleichmässig und ohne Murks in den Reihen stricken konnten. Ich stricke immer noch gerne, auch wenn nie was gescheites draus wird. Die kleinen Kerle sehen aber auch zu niedlich aus. Viel Erfolg