Montag, 23. Juli 2012

Schickst du jemandem eine Karte, schickt dir jemand eine Karte


Vor kurzem habe ich mal wieder etwas Interessantes im Internet entdeckt. Es nennt sich Postcrossing und macht sehr viel Spaß – nicht zuletzt, weil es erstens nicht nur im Internet stattfindet, sondern im „richtigen Leben“ und zweitens, weil es egal ist, wo man wohnt. Einen Briefkasten gibt es in Deutschland zumindest (noch) in jedem Kaff. Wir haben in unserem sogar mehrere :)

Prostcrossing geht so: man registriert sich (ist gratis), legt ein kleines Profil an und klickt dann auf „Send Postcard“ (ach ja, die Website ist auf Englisch, weil es eben eine weltweite Sache ist). Daraufhin bekommt man direkt auf der Website und per E-Mail die Profilinformationen eines anderen Teilnehmers irgendwo auf der Welt samt Adresse, sowie – ganz wichtig – eine ID-Nummer für die Postkarte.

Die meisten Leute geben an, was für Postkarten sie gerne hätten. Wenn man zufällig so eine hat, kann man die Wünsche erfüllen, ansonsten tut es auch eine andere Karte. Man sucht also eine aus und schreibt am besten als erstes groß und deutlich die Postkarten-ID darauf, denn ohne die kann der Empfänger nicht auf der Website eintragen, wenn sie angekommen ist. Dann schreibt man irgendwelche netten Sachen, die Adresse, Briefmarke drauf – für internationalen Versand auch eine Luftpostmarke – und ab geht die Post. Außer innerhalb Deutschlands (45ct) kostet eine Postkarte in alle Welt 75ct.

Am Anfang kann man bis zu fünf Postkarten gleichzeitig auf dem Weg haben. Meist muss man jedoch Geduld haben, bis sie ankommen. Ich habe am Anfang kurz hintereinander fünf Karten abgeschickt. Bis jetzt ist eine angekommen, die ich in die Niederlande geschickt hatte. Damit konnte ich eine weitere Karte abschicken und jemand hat meine Adresse bekommen, um mir eine Karte zu schicken. Diese Karte habe ich heute bereits bekommen (aus Finnland), während die erste Karte, die ich abgeschickt habe – nach Russland – noch immer nicht angekommen ist. Darauf muss ich aber wohl auch noch eine Weile warten.

Die meisten Länder der Welt sind bei Postcrossing mit Teilnehmern vertreten, wobei manche überrepräsentiert sind, während es in anderen kaum Teilnehmer gibt – manchmal aus naheliegenden Gründen. Aber ich hoffe, dass ich trotzdem irgendwann einmal Karten auch aus diesen Ländern bekomme :)

Mittwoch, 20. Juni 2012

Eva schläft von Francesca Melandri - Rezension


In dem Roman geht es um die Lebensgeschichte von Gerda Huber und ihrer Tochter Eva. Die Geschichte der beiden Frauen und ihrer Familie bildet den Rahmen für ein wesentlich interessanteres und spannenderes Thema: die Geschichte Südtirols und seiner Bewohner.

Die Autorin springt mit jedem neuen Kapitel von der Vergangenheit in die Gegenwart und wieder zurück. Die Kapitel der Gegenwart beschreiben in der ersten Person Evas Bahnreise in den Süden Italiens, wo sie einen Mann treffen möchte, der einmal der Liebhaber ihrer Mutter war und den sie als ihren Ziehvater betrachtete, bis er aus „Staats- und Familienräson“ die beiden verließ. Dabei erinnert sie sich an Ereignisse aus ihrer Kindheit. Die Kapitel der Vergangenheit sind dagegen in der dritten Person verfasst und beginnen im Jahr 1919, als Südtirol von den Siegermächten des ersten Weltkriegs an Italien gegeben wurde und die Unterdrückung der deutschsprachigen Minderheit und die Zwangsitalianisierung begann. Schonungslos und keineswegs einseitig beschreibt die Autorin, die selbst Italienerin ist, aber in Südtirol aufwuchs, anhand der Geschichte der Familie Huber und anderer Personen, wie man versuchte, mit diesen Zwangsmaßnahmen umzugehen – oder ihnen zu entgehen.

Das Buch ist sehr flüssig geschrieben und spannend zu lesen, wobei ich persönlich die Gegenwartskapitel, die jedoch im Verlauf des Buches glücklicherweise immer kürzer werden, fast als überflüssig empfand. Sie wirkten auf mich wie unwillkommene Werbeunterbrechungen während eines spannenden Films – auch wenn sie streckenweise ganz kurzweilig sind, wartet man doch nur darauf, dass es mit dem eigentlichen Film weitergeht. Dabei haben die Beschreibungen der Mitreisenden und der Landschaft durchaus ihren Unterhaltungswert. Das Thema der erfolgreichen Geschäftsfrau mit ihrem verkorksten Liebesleben inklusive unvermeidlichem verheiratetem Dauerliebhaber und in heutigen Geschichten fast ebenso unvermeidlichem homosexuellem „besten Freund“ (in diesem Fall ist es ein Cousin) ist jedoch zu ausgelutscht, als dass es noch interessant wäre.

Dagegen läuft die Autorin in den Kapiteln über die Vergangenheit zur Höchstform auf. Die Geschichte der jungen Gerda und ihrer Familie wird immer wieder unmittelbar von der Geschichte Südtirols beeinflusst. Gerdas Vater, ein Waisenjunge, der bedingt durch die italienischen Misshandlungen erst zu einem Kollaborateur der italienischen Faschisten, dann zu einem Anhänger der deutschen Nazis und in der Folge zum Außenseiter wird und später kaum Verantwortung für seine Familie übernimmt, prägt schließlich auch das Leben seiner Tochter – spätestens als er sie, noch minderjährig, fortschickt, um in einem Hotel zu arbeiten. Die jungen weiblichen Hilfskräfte in der Gastronomie wurden nicht ohne Grund als „Matratzen“ bezeichnet und letztlich endet auch Gerda mit einem Kind, dessen Vater, der Sohn eines ehemals armen Bauern, der zum Hotelbesitzer und Skiliftbetreiber aufgestiegen ist, von seinem Vater daran gehindert wird, sie zu heiraten. Von ihrem eigenen Vater wird sie endgültig vor die Tür gesetzt. Gleichzeitig betätigt sich einer ihrer Brüder als Terrorist, der versucht, die Italiener mit Gewalt aus Südtirol zu vertreiben. Ihr italienischer Liebhaber, der Polizist Vito, darf sie schließlich genau aus diesem Grund nicht heiraten.

Diese Kapitel des Romans, die den Hauptteil ausmachen, sind fesselnd geschrieben und man ist nach jedem Kapitel gespannt, wie es weitergeht. Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Buch, das durch eine klare Sprache besticht und es daher dem Leser erspart, sich mit einem „nobelpreisverdächtigen“ Stil herumzuschlagen, was das Lesen sehr angenehm macht.

Montag, 4. Juni 2012

Wofür wir kämpfen von Tino und Antje Käßner - Rezension


Antje und Tino Käßner waren beide als Bundewehrsoldaten im Auslandseinsatz – sie in Bosnien, er in Afghanistan, wo er bei einem Selbstmordanschlag sein rechtes Bein verlor. Soweit die nüchterne Zusammenfassung der Geschichte.

Sie wird allerdings keineswegs nüchtern erzählt. Nicht nur das Autoren-Ehepaar, sondern auch Verwandte und Freunde erzählen ihre Geschichte um diese Ereignisse und berichten dabei offen über ihre Gefühle und Gedanken. Zu den Erzählern gehören auch ein Kamerad von Tino Käßner, der bei demselben Anschlag beide Beine verlor, und seine Frau.

Dem Leser wird ein tiefer Einblick gewährt in das, was die jeweils erzählenden Personen erlebt haben. Der Stil des Buches erschien mir am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber letztlich kommt es hier nur auf den Inhalt an – und der hat es in sich. Thematisiert wird auch immer wieder der Umgang der deutschen Gesellschaft mit den Soldaten, die im Auslandseinsatz sind oder waren und die nach ihrer Rückkehr kaum Anerkennung, manchmal sogar Verachtung erfahren, was nicht zuletzt an der häufig einseitigen Berichterstattung der Medien liegt.

Ein sehr empfehlenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt – in mehrfacher Hinsicht!

Freitag, 25. Mai 2012

Unsere London-Reise...


… habe ich während der vergangenen Wochen in meinem englischsprachigen Blog „verarbeitet“ – mit relativ wenig Text und vielen Fotos, also vielleicht auch interessant für diejenigen, die nicht so gut Englisch können :) Gestern bin ich nun beim letzten Tag angekommen und eigentlich müsste ich jetzt wieder hin. Geht aber nicht *seufz*

Donnerstag, 10. Mai 2012

Vorher - Nachher

Vor etwa einem Jahr haben wir über Diaconia die Patenschaft für Astghik in Armenien übernommen. Hier das Foto von ihrem Profil, das wir bekommen haben, als wir die Patenschaft übernahmen…


…und hier das vom Folgebericht, den wir jetzt, nach einem Jahr erhalten haben:


Ich denke, ein vergleichender Blick auf diese Bilder reicht schon, um zu sehen, dass es sich lohnt, einem bedürftigen Kind durch eine Patenschaft zu helfen!

Mittwoch, 18. April 2012

Eine Ferienwohnung in London

So fein haben wir gewohnt – im ersten Stock eines viktorianischen Reihenhauses :)

Wohn- und Esszimmer, Küche:



Schlafzimmer:



Bad:

Aussicht:


Die ovale Scheibe im Hintergrund gehört zum Emirates (Arsenal) Stadion; bei dem Fußballspiel, das dort am Wochenende stattfand, konnten wir die Fangesänge hören.
In der Wohnung gibt es übrigens auch ein kostenloses Wifi-Netz, so dass wir kaum teure Daten-Roaming-Gebühren bezahlen mussten und doch regelmäßig unsere E-Mails abrufen oder Infos aus dem Internet holen konnten. Wer sie buchen möchte, kann das über Holidaylettings tun, sie ist auf jeden Fall zu empfehlen!

Mittwoch, 7. März 2012

Gestern Abend vor 25 Jahren



Hier in Deutschland erinnern sich vielleicht nicht mehr viele daran, dass am Abend des 6. März 1987 die Fähre „Herald Of Free Enterprise“ vor dem Hafen von Zeebrügge innerhalb kürzester Zeit auf die Seite kippte und 193 Menschen in den Tod riss. Das ist verständlich, denn unter den Toten waren meines Wissens keine Deutschen. Ich weiß lediglich von einer deutschen Überlebenden, deren Geschichte in unserer Zeitung stand, weil sie aus der weiteren Region stammte.

Mich hat die Sache damals ziemlich beschäftigt, denn immerhin war ich zu der Zeit schon mehrmals mit der Fähre über den Ärmelkanal gefahren – wenn auch meistens von Calais aus – und hatte gerade in dem Jahr vor, es erneut zu tun. Zuerst mit Familie und Wohnmobil für den Sommerurlaub und später im Jahr, um mein Studium am Pitman College in London zu beginnen.

Nun war es nicht so, dass ich deswegen Angst gehabt hätte, erneut eine Fähre zu besteigen – in dieser Hinsicht war meine größte Angst auch nach dem Unglück immer noch die vor der Seekrankheit ;) Aber ich konnte mir allzu lebhaft vorstellen, wie es sein musste, hilflos im kalten Wasser gefangen zu sein und Angst vor dem Ertrinken oder Erfrieren haben zu müssen. Ich überlegte, wie es die Überlebenden wohl geschafft hatten, aus dem Schiff, das ja auf der Seite lag, heraus zu kommen, und frage mich, wie viele von ihnen jemals wieder freiwillig mit so einem Schiff gefahren sind.

In Großbritannien und Belgien gab es gestern Gedenkveranstaltungen, von denen man allerdings nur lesen konnte, wenn man die Berichte darüber auf Google News suchte. In der St. Mary’s Church in Dover gibt es sogar ein Kirchenfenster zum Gedenken an die Opfer des Unglücks. 2004 habe ich es eher zufällig entdeckt bei einem Aufenthalt in Dover, während ich darauf wartete, dass die Fähre auslief, mit der ich fahren wollte.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Des Rätsels Lösung...



Nachdem ich noch einmal drei Kapitel hintereinander statt nur einer Passage meines Romans eingegeben hatte, kam schließlich heraus, dass ich wie Melinda Nadj Abonji schreibe - das kam dreimal heraus. Es passt vermutlich besser, denn 1. ist sie nicht so bekannt, 2. eine Frau und 3. etwa in meinem Alter. Allerdings hat sie schon ein paar Preise gewonnen und eine Seite bei Wikipedia - dafür muss ich mich noch etwas ins Zeug legen ;)

Ich schreibe wie...



... sagt die FAZ. Als Text habe ich einen Ausschnitt aus meinem ersten Roman "Briefe aus Kensington" eingegeben.

Allerdings frage ich mich, warum ich dann nicht so erfolgreich bin wie Peter Handke! Ist doch irgendwie ungerecht, wenn ich genauso schreiben kann!

Den Link zum Test habe ich übrigens bei Lila gefunden.