Sonntag, 14. Juni 2009

Positiv denken!

Mir fällt immer wieder auf, dass viele (die meisten?) Menschen gewissermaßen auf „hohem Niveau“ jammern. Sie schimpfen über Kleinigkeiten, sie sind ständig unzufrieden. Sie regen sich auf, wenn mal ein paar Kinder irgendwo etwas laut sind oder weil ihrer Meinung nach der Supermarkt nicht lange genug geöffnet hat, weil das Wetter schlecht ist – und das ist immer irgendwie schlecht – oder das Fernsehprogramm. Ein großes Thema ist natürlich Geld und was man sich davon leisten kann. Merkwürdigerweise gilt auch hier die Regel, dass man grundsätzlich auf die schaut, die sich mehr leisten können als man selbst oder man schaut sich gleich die Waren in Katalogen und Kaufhäusern an und sieht, was man alles gerne hätte und sich nicht leisten kann. Man geht selbstverständlich zum Arzt und wenn man Pech hat, ist gerade die Praxisgebühr fällig oder man muss lange warten. Dann wäre man gerne Privatpatient - wobei die sicher auch irgendetwas finden, worüber sie unzufrieden sein können!

Da muss man sich doch fragen, warum das so ist. Warum schauen die meisten Menschen immer auf die, denen es – vermeintlich – besser geht? Warum schaut man nicht auf diejenigen, die weniger haben als man selbst? Auch wer darauf angewiesen ist, im Supermarkt Lebensmittel der jeweiligen „Hausmarken“ zu kaufen (eine Sache, die ich übrigens auch tue), weil er sich teurere Markenprodukte nicht leisten kann, der gehört zu der Minderheit (!) von Menschen auf der Welt, die genug zu essen haben! Und wer lange beim Arzt warten und Praxisgebühr bezahlen muss, dem geht es immer noch besser als der Mehrheit(!) der Weltbevölkerung, die gar keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben, weil es sie dort nicht gibt oder weil man sie vollständig selbst bezahlen muss und sie sich deshalb schlicht nicht leisten kann (und dies ist nicht nur in Ländern der sogenannten Dritten Welt der Fall, sondern zum Teil auch in den USA!). Wer ein kleines Auto besitzt und / oder einen Computer, seine Kinder in die Schule schicken kann und in einer trockenen warmen Wohnung (wie klein auch immer) wohnen darf, gehört zu den wohlhabendsten Menschen der Welt!

Ich persönlich habe es mir angewöhnt, mir bei jeder aufkommenden Unzufriedenheit klar zu machen wie gut es mir – trotz gelegentlicher finanzieller Engpässe – geht. Das bringt mich zum Beispiel dazu, dankbar zu sein, dass ich genug zu essen habe, statt mich darüber zu ärgern, dass meine Lieblingseissorte („Tiramisu“ von Langnese *schleck*) wohl die nächste Zeit außerhalb unseres Budgets liegt. Ich ärgere mich nicht über meine gesundheitlichen Beschwerden, sondern freue mich, dass nichts davon Anzeichen einer schlimmen Krankheit ist. Was das lange Warten beim Arzt angeht – mir ist es einmal passiert, dass ich mich in einer Radiologiepraxis trotz meines Termins lange gedulden musste, bis ich an der Reihe war. Als der Arzt dann endlich zu mir kam, entschuldigte er sich damit, dass er gerade einer Patientin schonend hätte mitteilen müssen, dass sie Krebs hat, und dass es deshalb so lange gedauert hätte. Statt mich zu ärgern, war ich nur froh, dass ich nicht in der Haut dieser armen Frau steckte, und dafür hätte ich gerne noch länger gewartet!

3 Kommentare:

Neni hat gesagt…

Wie Recht Du hast !

In meinem schwärzten Stunde, wie mein Kind schwer verletzt im Koma im Intensivstation lag, war mein Gedanke: was für ein Glück in so einem Land zu leben, dass keiner fragt, welche Versicherung wir haben sondern sofort die beste (und teuerste) medizinische Versorgung gemacht wird.

Von Armut zu reden, wenn man Wohnung, fliessendes Wasser, Handy(!), Telephon, Auto und Fernsehen hat, erstaunt mich auch sehr oft.
Aber diesen Leuten kann man vermutlich nie Recht machen. Sie werden weiterhin jammern.
Vielleicht auch wenn sie viel Geld hätten, weil man damit andere Sorgen hat? ;-)

Kirsten hat gesagt…

Da hast Du wirklich Recht.
Ohne Frage!
Ich ertappe mich auch ständig dabei, wie ich übers Wetter schimpfe. Trotzdem erfreue ich mich auch an den kleinen Dingen des Tages z. B. eine dicke Hummel, die versucht auf einer zarten Mohnblume zu landen. :) Dann ist aller Ärger wie weggeblasen.

Tasha hat gesagt…

Schöner Text!
Wie oft ich Ähnliches von mir gegeben habe, weiss ich nicht, unzählbar!
Es gibt eben eben Menschen, deren Tellerrand oberhalb der Dachkante liegt. Von daher sind und bleiben sie unfähig zu sehen, wie gut sie es eigentlich haben. Tja, es sei denn, es passiert was gravierendes...
Schade nur, dass meist erst was passieren muss, dass Menschen umdenken.