Freitag, 2. Oktober 2009

Tag der Deutschen Einheit

Morgen jährt es sich zum 19. Mal, dass Deutschland wiedervereinigt wurde. Ich weiß noch genau, wie wir im Sommer und Herbst 1989 Tag für Tag vor dem Fernseher gesessen haben, um zu sehen, was „drüben“ passiert. Die Demos und die ständige Frage, ob dieses Mal wohl geschossen wird, die Botschaftsflüchtlinge, die Grenzöffnung durch Ungarn und schließlich der völlig überraschende Mauerfall - heute macht sich kaum noch jemand klar, welches Risiko die Menschen eingingen, wenn sie Woche für Woche ihren Protest auf die Straße trugen. In der westdeutschen Öffentlichkeit und auch in den Schulen (die 68er, die, wie man ja heute weiß, massiv von der Stasi beeinflusst wurden, hatten sich inzwischen im „Establishment“ breitgemacht) wurde das Unrecht in der DDR damals schon systematisch verharmlost, und wer dazu nicht bereit war, wurde schon mal schnell als Nazi gebrandmarkt, selbst, wenn er Jude und Naziopfer war. Inzwischen sind auch die Untaten und Verbrechen bekannt geworden, von denen man früher allenfalls etwas geahnt hatte – nach dem „Unfall“-Tod des Fußballers Lutz Eigendorf etwa, als immer wieder die (wie man heute weiß, richtige) Vermutung aufkam, er sei von der Stasi „eliminiert“ worden. Heute sieht man in dieser Hinsicht viel klarer, aber im Grunde ist es wie nach dem Ende des Dritten Reiches – man will von nichts mehr etwas wissen. Vielleicht wird es auch erst die Generation unserer Kinder bzw. Enkel sein, die nachfragt, wo wir damals gestanden haben. Und dann kommen hoffentlich auch endlich die Menschen zu Ehren, die für ihre und die Freiheit anderer ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt haben und die zur Zeit als „Störenfriede“ und „Nestbeschmutzer“ gelten, wenn sie auf die derzeitigen Defizite der Vergangenheitsaufarbeitung hinweisen. Aber auch das war nach dem Dritten Reich genauso – manchmal wiederholt sich Geschichte eben doch und dass viele nichts aus dieser Geschichte gelernt haben, zeigen heute die Wahlergebnisse für Die Linke, die auf komplizierte Fragen immer ach so einfache Antworten hat und ganz offensichtlich das alte DDR-System gerne wieder etablieren würde:

1 Kommentar:

Anna-Lena hat gesagt…

Wenn ich an den Herbst 89 denke und heute die Bilder dazu sehe, die ja auch in diesen Tagen wieder um die Welt gehen, läuft mir ein Schauer über den Rücken, als sei es erst gestern gewesen.
Hut ab vor den Menschen, die damals unerschrocken waren und mit ihrem Mut dazu beigetragen haben, dass die Grenzen gefallen sind.
Liebe Grüße
Anna-Lena